Laser gegen Mücken: Photon Matrix kombiniert LiDAR, Radar und KI
Ein chinesisches Start-up will Mücken automatisch erkennen und mit einem präzise gesteuerten Laser treffen. Die Pro-Version soll bis zu sechs Meter reichen; Spitzenwerte zur Trefferleistung sind bislang Herstellerangaben.
Ein chinesisches Technologieunternehmen versucht, die Mückenbekämpfung mit einer ungewöhnlichen Kombination aus Sensorik und präziser Optik zu automatisieren. Photon Matrix Intelligent Technology aus Changzhou in der Provinz Jiangsu entwickelt ein tragbares Gerät, das LiDAR, Millimeterwellen-Radar, computergestützte Bilderkennung und einen Laser in einem System verbindet.
Die Idee erinnert an eine stark verkleinerte Luftabwehr: Der Raum wird fortlaufend überwacht, ein kleines fliegendes Objekt wird erkannt und vermessen, anschließend lenkt ein Galvanometer den Laserstrahl auf die berechnete Position. Nach Angaben des Herstellers soll ein kurzer Impuls die Flügel des Insekts beschädigen, sodass es zu Boden fällt. Chemische Sprays, Verdampfer oder Lockstoffe seien dafür nicht erforderlich.
Photon Matrix nennt für das System einen Zielbereich von 2 bis 20 Millimetern Körpergröße. Erfasst werden sollen fliegende Insekten mit Geschwindigkeiten von bis zu einem Meter pro Sekunde. Die Pro-Version wird mit einer Reichweite von bis zu sechs Metern und einem Erfassungssektor von 90 Grad beworben. Ein einzelnes Gerät deckt damit keinen vollständigen Kreis ab, sondern einen begrenzten Bereich vor dem Sensor.
Technisch spielt LiDAR eine zentrale Rolle. Das System misst fortlaufend die Entfernung zum Hintergrund. Taucht ein Objekt in dieser Ebene auf, verändert sich die gemessene Distanz. Anschließend prüft die Software, ob Größe und weitere Merkmale zu einem zulässigen Ziel passen. Für die schnelle Strahllenkung wird nicht das gesamte Gerät bewegt; stattdessen verändern kleine Spiegel im Galvanometer den optischen Weg.
Besonders viel Aufmerksamkeit erhielten zwei Leistungsangaben aus der Crowdfunding-Phase: eine Reaktionszeit von ungefähr drei Millisekunden und eine theoretische Kapazität von bis zu 30 Mücken pro Sekunde. Diese Werte wurden von Technikmedien aufgegriffen, sind bislang aber vor allem Angaben des Herstellers beziehungsweise der Kampagne. Unabhängige Feldtests, die eine solche Spitzenleistung unter unterschiedlichen Alltagsbedingungen bestätigen, sind öffentlich noch nicht in vergleichbarer Breite verfügbar.
Gerade bei einem automatisch zielenden Laser ist die Sicherheit entscheidend. Photon Matrix beschreibt mehrere Schutzmechanismen. Dazu gehören die Prüfung eines festen Hintergrunds innerhalb der vorgesehenen Reichweite und der Einsatz von Millimeterwellen-Radar. Wenn kein geeigneter Hintergrund erkannt wird, soll der Laser gesperrt werden. Für einen Einsatz in Wohnungen, Gärten oder auf Campingplätzen muss sich zeigen, wie zuverlässig diese Funktionen bei Menschen, Haustieren und reflektierenden Oberflächen arbeiten.
Die Grundidee der laserbasierten Insektenbekämpfung ist nicht völlig neu. Wissenschaftliche Arbeiten haben bereits zuvor Maschinenvision, neuronale Netze, Galvanometer und Laser zur Erkennung und Neutralisierung von Mücken untersucht. Photon Matrix versucht nun, ähnliche Bausteine in ein kompaktes Verbraucherprodukt zu überführen.
Das Interesse ist groß. Ende Mai 2026 berichteten chinesische Medien unter Berufung auf das Unternehmen von mehr als 2,5 Millionen US-Dollar Crowdfunding, über 3.500 Unterstützern und mehr als 3.000 Bestellungen. Damit ist das Projekt längst mehr als eine technische Kuriosität: Es ist auch ein Test dafür, ob sich komplexe optische Automatisierung als Haushaltsgerät vermarkten lässt.
Für Verbraucher in Deutschland und der Schweiz bleiben vor allem drei Fragen offen. Erstens muss die tatsächliche Wirksamkeit unabhängig gemessen werden. Zweitens ist eine nachvollziehbare Bewertung der Lasersicherheit erforderlich. Drittens wird entscheidend sein, wie zuverlässig die Zielerkennung andere kleine Insekten von unerwünschten Mücken unterscheidet.
Sollte die Serienversion diese Hürden nehmen, könnte Photon Matrix eine neue Klasse smarter Schädlingsbekämpfung etablieren. Bis dahin ist der Ansatz technisch interessant, die spektakulärsten Leistungsversprechen sollten jedoch als Herstellerangaben und nicht als bereits unabhängig bestätigte Fakten gelesen werden.
Bildquelle: Photon Matrix / EcoInventos.
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