Wireva

Cyberangriff legt Hochschulsysteme in Baden-Württemberg lahm

Ein Cyberangriff auf das Hochschulservicezentrum Baden-Württemberg hat Noten-, Bewerbungs- und Stundenplansysteme offline gesetzt. Auch Lehrkräfte erhalten derzeit kein Geld. Die Täter sind unbekannt, die Ermittlungen laufen.

Ein Cyberangriff auf das Hochschulservicezentrum Baden-Württemberg (HSZ) hat die IT-Infrastruktur zahlreicher Hochschulen im Land schwer getroffen. Noten- und Bewerbungssysteme sowie Raum- und Stundenpläne sind weiterhin offline, wie ein Sprecher des HSZ mitteilte. Auch die Bezahlung von Lehrkräften ist derzeit nicht möglich. Die Lage sei für die Hochschulen «verheerend», sagte der Sprecher.

Wann die Hochschulinformationssysteme wieder verfügbar sein werden, ist offen. «Die Systeme gehen erst wieder in Betrieb, wenn zu 100 Prozent sichergestellt werden kann, dass keine Gefahr mehr von ihnen ausgeht», erklärte der Sprecher. Betroffen sind Hochschulen, Kunst- und Musikhochschulen sowie einige Landeseinrichtungen. Wie stark die einzelnen Einrichtungen leiden, hängt davon ab, welches Servicepaket sie beim HSZ beziehen.

Der Angriff war am Mittwochabend der vergangenen Woche von der IT-Abteilung des HSZ entdeckt worden. Daraufhin wurden Maßnahmen eingeleitet, um die Folgen einzudämmen, und ein Krisenstab eingerichtet. Die Ermittlungen übernahm das Polizeipräsidium Reutlingen in Zusammenarbeit mit der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe, Abteilung Cybercrime. Wer hinter dem Angriff steckt, ist noch unklar. Der Täter habe sich Zugriff verschafft und eine Schadsoftware installiert, hieß es. Wie die Angreifer in die Systeme gelangten, wird untersucht. Ob es eine Forderung gab, ließ der Sprecher offen.

Die Auswirkungen reichen bis in den Alltag der Hochschulen. Die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen meldet Zahlungsverzögerungen und sucht nach alternativen Wegen, bis die Systeme wieder online sind. Die Hochschule Pforzheim kann elektronische Rechnungen derzeit nicht verarbeiten und bittet darum, Rechnungen per E-Mail einzureichen. An der Hochschule für Musik in Karlsruhe wurde wegen des Angriffs das Bewerbungsverfahren geändert und die Bewerbungsfrist verlängert.

Für Studierende bedeutet der Ausfall, dass sie ihre Noten und Stundenpläne vorerst nicht abrufen können. Auch Bewerbungen sind vielerorts nur eingeschränkt möglich. Die Hochschulen stehen damit vor der Herausforderung, den Betrieb aufrechtzuerhalten, während zentrale digitale Dienste fehlen. Der HSZ betont, dass die Sicherheit der Systeme oberste Priorität habe. Eine schnelle Rückkehr zum Normalbetrieb ist daher nicht zu erwarten.

Der Fall reiht sich in eine wachsende Zahl von Cyberangriffen auf öffentliche Einrichtungen ein. Hochschulen und ihre Dienstleister gelten als attraktive Ziele, weil sie große Mengen sensibler Daten verwalten und oft komplexe, vernetzte Systeme betreiben. Die Ermittlungen zu den Hintergründen und möglichen Urhebern dauern an.