Wireva

Griechenland und Türkei: Spannungen in der Ägäis verschärfen sich

Die Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei in der Ägäis nehmen wieder zu. Beide Nato-Staaten beschuldigen sich gegenseitig, die Lage zu eskalieren. Griechenland setzt auf Abschreckung und rüstet auf, während die Türkei die Militarisierung griechischer Inseln kritisiert. Experten warnen vor einer neuen, riskanten Ära.

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung unter der redaktionellen Verantwortung von Haydamax OÜ erstellt.

Die Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei in der Ägäis haben sich zuletzt wieder deutlich verschärft. Beide Nato-Staaten machen sich gegenseitig für die Eskalation verantwortlich. Im Zentrum des jahrzehntealten Konflikts stehen Hoheitsgewässer, Besitzansprüche sowie politische und militärische Einflusszonen im Mittelmeerraum. Die wechselseitigen Vorwürfe reichen von Luftraumverletzungen bis hin zu Truppenverlegungen in aggressiver Absicht.

Athen beklagt aus seiner Sicht illegale türkische Meeresnationalparks und türkische Militärbewegungen an die Küste. Auf der anderen Seite kritisiert der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan die «Militarisierung» griechischer Inseln und fordert deren Beendigung. Außenminister Hakan Fidan spricht in diesem Zusammenhang von einer Sicherheitsbedrohung für die Türkei. Die griechische Regierung setzt vor diesem Hintergrund verstärkt auf Abschreckung. Nach dem Prinzip, wer Frieden wolle, müsse sich auf Krieg vorbereiten, hat Athen Ende August mit Israel einen milliardenschweren Rüstungsvertrag abgeschlossen. Das Programm mit dem Namen «Schild des Achilles» umfasst ein Luftverteidigungssystem und soll zugleich die griechische Rüstungsindustrie stärken.

Die Spannungen fallen in eine Phase, die griechische Experten als neue, riskante Ära beschreiben. Meri Bossi, emeritierte Professorin für Internationale Sicherheit an der Universität Piräus, sagte, man sehe eine zunehmende Eskalation und eine bedrohliche Rhetorik seitens der Türkei und seitens Griechenlands. All das und das unsichere regionale und internationale Umfeld trügen dazu bei, dass diese Spannungen vielleicht einen extremeren Punkt erreichen könnten. Der griechische Journalist John Psaropoulos sieht in den Maßnahmen vor allem Selbstverteidigung. Aus griechischer Sicht sei die Destabilisierung in der Region rund um die Ukraine und nun auch am Golf und am Roten Meer eine schlechte Nachricht für die Eindämmung dieses Konflikts mit der Türkei. Durch die verschiedenen Konflikte sei eine Atmosphäre der Gesetzlosigkeit entstanden, in der Krieg normalisiert wurde. Psaropoulos kritisiert zudem, der Konflikt mit der Türkei erhalte in Europa und vor allem in Deutschland zu wenig Aufmerksamkeit. Je länger man Konflikte ungelöst lasse, desto größer sei die Gefahr, langfristig ernste Probleme zu bekommen. Griechenland betrachte die Türkei als ein potenzielles Russland. Die Bedrohungswahrnehmung, die Europa jetzt von Russland habe, die habe Griechenland seit Längerem gegenüber der Türkei.

Die gegenseitige Bedrohungswahrnehmung hat eine lange Vorgeschichte, die bis in die Zeit des Osmanischen Reichs zurückreicht. Seit der türkischen Invasion in Zypern 1974 kam es immer wieder zu Konflikten um die Ägäis: Luftraumverletzungen, Seerechtsfragen, die Stationierung von Truppen und die Frage, wie Inseln und kleine Felsen völkerrechtlich einzuordnen sind. Der Politikwissenschaftler Ronald Meinardus, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Athener Thinktank Eliamep, verweist vor allem auf die grundsätzlichen Differenzen. Man sei sich nicht einig, was eigentlich umstritten ist, und man sei sich nicht einig, wie man diese Streitpunkte lösen soll. Der Konflikt trete daher auf der Stelle. Ein zentrales Beispiel ist die Frage, ob Griechenland seine Hoheitsgewässer rund um die Ägäis-Inseln auf zwölf Seemeilen ausweiten darf. Für Athen ist die Lage klar, weil das UN-Seerechtsübereinkommen eine solche Ausweitung grundsätzlich ermöglicht. Die Türkei hält das aber für problematisch. Das türkische Parlament beschloss bereits 1995, eine solche Ausweitung würde als Kriegsgrund gelten. Die Befürchtung: Durch die vielen griechischen Inseln könnten die internationalen Gewässer in der Ägäis stark schrumpfen, und die türkische Schifffahrt würde deutlich eingeschränkt.

Neben der Frage der Hoheitsgewässer verweist Ankara auf angebliche «Grauzonen» in der Ägäis. Gemeint sind Inseln und unbewohnte Felsen, deren Souveränität aus türkischer Sicht offen sei. Griechenland widerspricht und betont, der Status dieser Gebiete sei vertraglich geregelt. Meinardus erkennt in der türkischen Haltung eine bewusste Strategie, die Anzahl der Streitpunkte zu erhöhen. Je kleiner der Streitkorb ist, desto geringer ist die Chance, dass du da was rausholst. Aber je mehr du reinwirfst, desto größer ist die Chance, dass du da was wegnehmen kannst. Der Status quo sei eigentlich im Sinne Griechenlands. Diesen Status quo wolle die Türkei revidieren. Die Türkei sei eine revisionistische Macht. In Griechenland wird in diesem Zusammenhang auch die türkische Doktrin der «Blauen Heimat» kritisch betrachtet, die bald im türkischen Parlament diskutiert werden soll. Sie sieht vor, türkische Einflusszonen im Mittelmeer deutlich zu erweitern. Kritiker sehen darin neo-osmanische Expansionspläne, die über klassische Sicherheitsinteressen hinausgehen. Trotz der militärischen Symbolik halten manche Beobachter ein direktes militärisches Aufeinandertreffen für wenig wahrscheinlich. Der Politikwissenschaftler Hüseyin Bağcı aus Ankara sagte, zwischen der Türkei und Griechenland gebe es eine Art Familienkonflikt, der immer wieder aufflamme, aber letztlich beide Seiten an einer Eskalation hindere.

Same event, other desks

Story file →