Die russische Führung hat sich im Ukraine-Krieg klar für eine Eskalation entschieden. Wie der «Economist» unter Berufung auf vertrauliche Moskauer Quellen berichtet, soll Präsident Wladimir Putin eine Feuerpause mit den Worten abgelehnt haben: «Sie werden mich hängen.» Der Satz, dessen Urheberschaft nicht bestätigt ist, deutet auf eine wachsende Angst vor den Folgen eines Kriegsendes hin. Wer genau mit «sie» gemeint ist, bleibt offen – der Westen, die ukrainischen Streitkräfte oder enttäuschte Ultranationalisten.
Fakt ist: Im Spätsommer fanden in Moskau zwei Sitzungen des Sicherheitsrates statt, bei denen es um neue Waffensysteme und den Schutz der eigenen Infrastruktur ging. Die Befehlshaber der in der Ukraine kämpfenden Armeegruppen «Center» und «Ost» wurden entlassen. Neue Generäle erhielten den Befehl, die Ostukraine bis Ende des Jahres, spätestens aber bis Frühjahr 2027 vollständig zu besetzen. Anschließend soll die Armee umstrukturiert werden, um bis 2029 die ukrainische Verteidigung gänzlich zu brechen.
Der russische Präsident verfolgt damit ein langfristiges Ziel: Als Führer einer «Kriegsgewinner-Partei» möchte er 2030 feierlich seine neue Amtszeit antreten. Beobachter sehen darin eine Realitätsferne, die sich auch in der zunehmend aggressiven Rhetorik und den jüngsten Luftangriffen auf die Ukraine zeigt. Kiew ist zur Frontstadt geworden, täglich hageln Bomben und Raketen. Das neue Schuljahr steht zur Disposition, weil der Schulweg für Kinder zu gefährlich ist.
Als Reaktion kündigte der ukrainische Präsident an, «den Himmel über Russland zu schließen». Nach aktuellen Sicherheitsregeln muss ein Flughafen geschlossen werden, sobald eine Drohne in der Nähe gesichtet wird. In Russland fehlen jedoch durchdachte Pläne zur Drohnenabwehr an zivilen Flughäfen – man handelt nach Gefühl. Die «Graue Zone» dieses Krieges ist dehnbar und könnte sich auf russische Flughäfen, Brücken, Eisenbahnknoten und Kraftwerke ausweiten.
Friedensverhandlungen scheitern an den territorialen Ansprüchen des Angreifers. Russland hat Gebiete eines anderen Landes als sein Eigentum in die Verfassung eingetragen. Diese Tatsache verhindert jede Friedensinitiative, da weder der Papst noch andere internationale Akteure die Annexion fremder Gebiete anerkennen wollen. Der Krieg geht weiter und verändert sich.
Neu im fünften Kriegsjahr ist die faktische Positionierung Europas als Verbündeter der Ukraine. Deutschland wurde zum Hinterland und stärkt der Ukraine den Rücken. Als Reaktion darauf sieht sich Deutschland mit Anschlägen auf seine Infrastruktur konfrontiert. Russische Dienste rekrutieren in Eile Einweg-Diversanten, die offenbar ungeschickt agieren. Es wurden Versuche unternommen, in das politische Geschehen Europas einzugreifen und am linken wie rechten Rand nach Willigen zu suchen, die die politische Lage in Deutschland destabilisieren könnten.