Nach einem Hackerangriff sind bei der AfD interne Mails, Anhänge und umfangreiche Mitglieder- und Kontaktlisten an die Öffentlichkeit gelangt. Das Material umfasst nach den vorliegenden Angaben mehr als 420.000 Mails sowie Excel-Dateien, Word-Dokumente, PDFs und Fotos. Es gibt Einblicke in interne Entscheidungsprozesse der Partei und wirft zugleich die Frage auf, wie die Partei mit personenbezogenen Daten umgeht.
Die Partei hat schon einmal erlebt, wie persönliche Daten aus ihrem Umfeld ins Internet gelangen. Im Mai 2016 wurde die Teilnehmerliste des AfD-Bundesparteitags in Stuttgart auf der linksextremen Plattform Indymedia veröffentlicht, einschließlich Namen, Adressen und Telefonnummern. Betroffen waren rund 2.000 Personen. Eine der Betroffenen, Emma Schmidt, berichtete damals, Nachbarn und Geschäftspartner hätten sie auf ihre Parteizugehörigkeit angesprochen. Auch die Liste des Bremer Parteitags aus dem Vorjahr stand online.
Schon am Tag des Stuttgarter Parteitags beauftragte die AfD die Kölner Rechtsanwaltskanzlei Höcker, sich um die Entfernung der Daten zu kümmern. Die Kanzlei erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen einen Blog aus dem Kölner Raum, der gezielt AfD-Mitglieder aus dem Rheinland herausgefiltert und deren Adressen veröffentlicht hatte. Die Entscheidung erging am 20. Mai am Landgericht Köln, die Partei verkündete dies als ersten Erfolg. An Indymedia selbst war dagegen schwerer heranzukommen, da die Seite aus dem Ausland betrieben wird.
Das aktuelle Leak ist umfangreicher als der Vorfall von 2016. Allein eine Datei aus Nordrhein-Westfalen enthält die Daten von mehr als 10.000 Personen. Hinzu kommen Listen aus Mecklenburg-Vorpommern mit 927 Namen und aus dem Saarland mit rund 300 Namen, jeweils mit Adressen. Nach den bisherigen Erkenntnissen stammen die Daten teilweise aus dem Bestand des parteieigenen Dienstleisters Alternita Dienstleistungs-GmbH, der im September Ziel einer kriminellen Hackerattacke wurde. Deshalb sind einige Landesverbände stark betroffen, andere kaum.
Die Datei aus Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2020 wirkt wie ein Kontaktarchiv. Neben mehr als 5.500 Mitgliedern führt sie 4.771 Personen mit dem Status «Gekündigt» auf, also ehemalige Mitglieder. Auch Spender, Förderer und Lieferanten sind erfasst. Besonders brisant ist, dass 232 Personen aus der Partei ausgeschlossen wurden und 44 die Aufnahme verweigert wurde. Teilweise lassen sich über die Daten auch Begründungen aus Schiedsgerichtsverfahren nachvollziehen.
Die AfD erklärte, keine Anfragen zu beantworten, in denen es um die Echtheit eines vermeintlichen Leaks geht. Wer die illegal kopierten Daten nutze, heiße «ein Verbrechen» gut, so die Partei. Bislang gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass die Daten nicht echt sind. Fälschungen kursieren zwar, sie waren aber nach bisherigem Stand nicht Teil der geleakten Daten. Unbekannte Hacker sollen zudem kurz nach der Veröffentlichung ein Angebot erhalten haben, gegen eine Zahlung von 100.000 Euro die Daten zurückzuziehen.