Der Chiphersteller Macronix, seit langem ein Hardwarepartner von Nintendo, zieht sich aus der Fertigung von ROM-Chips zurück. Das hat das Unternehmen im jüngsten Quartalsbericht angekündigt. ROM-Chips sind zentrale Bauteile in den Spielemodulen der Switch und der Switch 2, also genau in den Datenträgern, mit denen viele Spieler ihre Titel kaufen.
Laut Berichten machten ROM-Chips im letzten Geschäftsjahr nur noch rund 5 Prozent des Geschäfts von Macronix aus, ein Jahr zuvor waren es noch 26 Prozent. Der Konzern richtet seinen Fokus stattdessen auf den Markt für Flash- und Speicherchips. Der Rückzug zeigt, wie stark sich die Prioritäten in der Halbleiterbranche in den letzten Jahren verschoben haben.
Macronix ist allerdings nicht Nintendos einziger Lieferant für ROM-Chips. Als weitere Zulieferer werden MegaChips und ROHM genannt. Ob diese Firmen die wegfallenden Mengen vollständig auffangen können, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor. Sollte die Versorgung enger werden, könnte sich das jedoch auf die Kosten auswirken.
Genau hier liegt eine Sorge der Branche: Steigen die Kosten für Module, könnten sich Cartridges verteuern. Gleichzeitig könnten Publisher dazu gedrängt werden, stärker auf sogenannte Game-Key Cards zu setzen. Dabei handelt es sich um Speicherkarten, die lediglich einen digitalen Authentifizierungsschlüssel enthalten. Die eigentlichen Spieledaten müssen dann heruntergeladen und auf den Flash-Speicher der Konsole geladen werden.
Die ROM-Karten von Nintendo nutzen eine eigene, proprietäre Hochgeschwindigkeitstechnik. Das erhöht nach Angaben der Berichte die Fertigungskosten im Vergleich zu einfacheren Speichermedien. Mit einem Lieferanten weniger wird die Lage für Nintendo deshalb nicht einfacher, auch wenn bislang keine konkreten Preiserhöhungen bekannt sind.
Nintendo wurde um eine Stellungnahme gebeten, eine Antwort ist bislang nicht veröffentlicht. Das Unternehmen hat aber erklärt, dass es nicht plant, physische Spiele vorerst aufzugeben.
Der Hintergrund ist ein allgemeiner Engpass am Speichermarkt. Die Nachfrage durch KI-Anwendungen hat die Preise für Arbeitsspeicher in den vergangenen zwei Jahren deutlich steigen lassen. Berichten zufolge ist die RAM-Produktion für 2027 bereits ausverkauft. Auch Sony soll laut Berichten eine vollständig digitale Zukunft für die PlayStation ab 2028 vorbereiten.
Für Switch-2-Besitzer hat die Speicherfrage auch praktische Seiten. Die Konsole verfügt über 256 GB internen Speicher. Wer Spiele nicht als Modul kauft, sondern digital lädt, braucht zusätzlichen Platz. Die Switch 2 benötigt dafür microSD-Express-Karten, ältere microSD-Karten funktionieren nicht. Als Beispiel für den Platzbedarf wird Final Fantasy XIV genannt, das auf der Switch 2 rund 117 GB benötigt. Eine Samsung P9 mit 512 GB war laut Angaben vor dem Black Friday für 99,99 US-Dollar gelistet, die 256-GB-Variante für 47,99 US-Dollar nach zuvor 80 US-Dollar.