Das kommende Sci-Fi-Rollenspiel „Exodus“ von Archetype Entertainment will in puncto Entscheidungen, Moral und Beziehungen an die großen Weltraum-RPGs anknüpfen. Drew Karpyshyn, einst Narrative Lead bei BioWare und heute Narrativdirektor des neuen Titels, erklärte im Gespräch mit IGN, wie das Studio die Erwartungen an ein spirituelles Erbe von „Mass Effect“ aufgreifen will. Er selbst sieht den Vergleich als legitim: „Es ist ein völlig guter Weg, sich dem Spiel zu nähern“, sagte er mit Blick auf die ersten Eindrücke vieler Spieler.
Im Zentrum von „Exodus“ steht die Figur Jun, die durch genetische Anomalien in der Lage ist, mit der Technologie der rätselhaften Celestials zu interagieren. Diese Fähigkeit bildet die Grundlage für das Moral-System des Spiels, das sich zwischen zwei Polen bewegt: dem Paladin- und dem Immortal-Pfad. Während der Paladin-Weg darauf abzielt, die eigene Menschlichkeit zu bewahren und die dunkleren Aspekte der Celestials abzulehnen, steht der Immortal-Pfad für Stärke und Überleben um jeden Preis – inklusive der Übernahme von weniger empathischen und kompromissloseren Eigenschaften der außerirdischen Spezies. Laut Karpyshyn sind diese Wege eng mit den Entscheidungen der Spielerinnen und Spieler verknüpft, etwa ob sie bestimmte technologische Aufwertungen annehmen oder ablehnen.
Das Entscheidungssystem selbst ist in drei Ebenen unterteilt. Auf der untersten Stufe finden sich kleine, dialogbasierte Momente, die für humorvolle oder atmosphärische Nuancen sorgen. Die mittlere Ebene umfasst Entscheidungen, die den Aufbau von Beziehungen zu Begleitern oder die Entwicklung des eigenen Charakters betreffen. Die dritte und wichtigste Ebene nennt Karpyshyn „Gold-Level-Entscheidungen“: große, folgenreiche Wendepunkte der Geschichte, die den weiteren Verlauf maßgeblich beeinflussen. Ein Beispiel dafür ist das Ende der Khonsu-Mission aus der spielbaren Vorschau, bei dem die Spieler über das Schicksal der Kay-Beacons entscheiden müssen.
Eine besondere Rolle spielen dabei sogenannte Breakpoints. Jun besitzt laut Karpyshyn keine prophetischen Fähigkeiten im klassischen Sinne, sondern verfügt über hochpräzise Vorhersagemodelle, die an Isaac Asimovs „Foundation“-Romane erinnern. Diese Modelle geben Hinweise darauf, in welche Richtung sich eine Entscheidung entwickeln könnte und welche Konsequenzen zu erwarten sind. Zu Beginn des Spiels sind diese Fähigkeiten noch wenig ausgeprägt, im Verlauf können sie jedoch weiterentwickelt werden, sodass Spielerinnen und Spieler mehr Informationen über langfristige Auswirkungen ihrer Wahl erhalten.
Karpyshyn betont, dass Entscheidungen nur dann Bedeutung entfalten, wenn sie echte Kosten verursachen. Wer sich für einen bestimmten Pfad entscheide, schließe damit zwangsläufig andere Möglichkeiten aus. Dies sei ein bewusstes Gestaltungsprinzip, um den Spielerinnen und Spielern ein Gefühl von echter Handlungsmacht zu vermitteln. Auch die Beziehungen zu Begleitern und mögliche Romanzen hängen direkt von diesen Entscheidungen ab: Das Verhalten gegenüber den Charakteren beeinflusst, wie diese auf Jun reagieren und welche Beziehungsstränge sich öffnen oder schließen.
„Exodus“ wird von Archetype Entertainment entwickelt, einem Studio, das sich aus erfahrenen RPG-Veteranen zusammensetzt. Ein konkreter Releasedatum wurde bislang nicht genannt. Das Spiel soll auf PC und Konsolen erscheinen.