In Mecklenburg-Vorpommern wird am 20. September ein neuer Landtag gewählt. Die politischen Kräfteverhältnisse könnten sich dabei deutlich verschieben, und die Regierungsbildung dürfte schwierig werden. In Umfragen liegt die AfD vorn, die regierende SPD folgt nur drei Prozentpunkte dahinter. Die CDU steckt mit sieben Prozent in einem historischen Tief, während die Grünen und das BSW um den Einzug in den Landtag bangen.
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) kandidiert für eine dritte Amtszeit als Regierungschefin. Die gebürtige Frankfurterin zog im Jahr 2000 nach Schwerin, wo sie zunächst als Diplom-Finanzwirtin im Finanzamt arbeitete. Anfang 2003 trat sie der SPD bei und übernahm in den folgenden Jahren verschiedene politische Ämter, darunter die Ministerin für Soziales und Gesundheit sowie für Arbeit, Gleichstellung und Soziales in Mecklenburg-Vorpommern. 2013 wechselte sie als Bundesfamilienministerin nach Berlin, bevor sie 2017 die erste Frau an der Spitze des Landes wurde. Im Wahlkampf gibt sie sich bürgernah und erregt regelmäßig Aufsehen, wenn sie die Bundespolitik öffentlich kritisiert und dabei auch bei der eigenen Partei aneckt.
Für die AfD tritt Leif-Erik Holm als direkter Herausforderer von Schwesig an. Sollte die AfD an einer Regierung beteiligt werden, soll Holm Ministerpräsident werden. Er ist AfD-Mitglied der ersten Stunde und trat bereits bei der Bundestagswahl 2013 als Spitzenkandidat seiner Partei an, schaffte den Einzug schließlich 2017. Bis heute ist er Mitglied im Bundestag und dort wirtschaftspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion. Der studierte Volkswirt arbeitete seit seiner Schulzeit als Radiomoderator, unter anderem beim NDR. Als Ministerpräsident möchte er die Kündigung des Medienstaatsvertrags durchsetzen. 2023 kandidierte er für das Amt des Oberbürgermeisters von Schwerin, unterlag jedoch in der Stichwahl seinem sozialdemokratischen Kontrahenten. Holm tritt lediglich als Direktkandidat für seinen Wahlkreis an und steht nicht auf der Landesliste der AfD. Diese führt Enrico Schult an. Der Vermessungstechniker aus Demmin ist seit 2021 Mitglied im Landtag und seit Mitte dieses Jahres auch Chef der Fraktion. Gemeinsam mit Holm bildet er das Vorsitzendenduo des AfD-Landesverbands. In Parteikreisen gilt er zwar eher als gemäßigt, distanziert sich aber nicht von rechtsextremen Positionen seiner Parteikollegen.
Für die CDU soll Daniel Peters als «Mann der Mitte» zwischen den politischen Lagern punkten. Allerdings steckt die Partei mit sieben Prozent in einem historischen Umfragetief. Innerhalb des Landesverbands steht Peters für einen Generationenwechsel, ist aber im konservativen Flügel der Partei zu verorten. Der 45-jährige Rostocker ist seit 2024 Landesvorsitzender und Chef der CDU-Landtagsfraktion. Politische Erfahrung sammelte der studierte Historiker und Politikwissenschaftler unter anderem elf Jahre lang als Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Eckhardt Rehberg, bevor er 2020 in den Schweriner Landtag nachrückte.
Die Linke ist in der aktuellen Landesregierung Juniorpartner der SPD und möchte auch künftig mitregieren. Als Spitzenkandidatin schickt sie Simone Oldenburg aus Wismar ins Rennen, die stellvertretende Ministerpräsidentin und Ministerin für Bildung und Kindertagesförderung ist. Oldenburg ist ausgebildete Gymnasiallehrerin für Deutsch und Geschichte und war auch als Schulleiterin aktiv. Ihre politische Laufbahn begann sie in der Kommunalpolitik, bevor sie 2016 erstmals in den Landtag einzog. Zwischen 2018 und 2021 war sie zudem stellvertretende Vorsitzende der Linken auf Bundesebene. Nachdem sie 2021 zur Ministerin ernannt wurde, legte sie ihr Landtagsmandat nieder.
Für die Grünen tritt Claudia Müller an, die kurzfristig als Spitzenkandidatin einsprang, nachdem der Grünen-Landesverband seine bereits aufgestellte Landesliste nach Auseinandersetzungen um Constanze Oehlrich neu aufgestellt hatte. Oehlrich war rund einen Monat vor der Landtagswahl aufgrund von Vorwürfen des Machtmissbrauchs von ihrem Amt als Fraktionschefin zurückgetreten. Müller sitzt im Bundestag und führt dort ihre Fraktion als Parlamentarische Geschäftsführerin an. Die 45-Jährige stammt gebürtig aus Rostock und kandidierte 2022 für das Oberbürgermeisteramt ihrer Heimatstadt, landete aber lediglich auf dem vierten Platz. Heute lebt sie in Stralsund.