Das US-Verteidigungsministerium plant, die Hinrichtung des verurteilten Massenmörders Nidal Hasan per Livestream zu übertragen. Die Exekution soll am 3. Dezember auf dem Militärstützpunkt Fort Hood in Texas durch ein Erschießungskommando vollstreckt werden. Verteidigungsminister Pete Hegseth machte deutlich, dass die Öffentlichkeit zusehen können soll. Die Menschen müssten verstehen, dass solche Taten «ernste Konsequenzen» hätten, sagte er dem konservativen Sender Real America's Voice. Die Hinrichtung ist zur selben Tageszeit und am selben Ort angesetzt wie Hasans Angriff 17 Jahre zuvor.
Hasan war 2013 wegen des Mordes an 13 Menschen und des versuchten Mordes an 32 weiteren zum Tode verurteilt worden. Der frühere Major der US-Armee hatte im November 2009 auf dem Stützpunkt das Feuer eröffnet. Die Ankündigung einer öffentlich übertragenen Militärhinrichtung hat in den USA und international scharfe Reaktionen ausgelöst. Im Zentrum steht die grundsätzliche Frage, ob ein Staat die Tötung eines Menschen zur Schau stellen darf.
Besonders deutlich fällt die Kritik im britischen «Guardian» aus. Kolumnist Paul Daley überschreibt seinen Kommentar mit der Frage «Execution TV?» und bezeichnet den geplanten Livestream als «grauenhaften neuen Tiefpunkt». Seine Kritik richtet sich nicht gegen die Bestrafung Hasans, sondern gegen die öffentliche Inszenierung seines Todes. Die Regierung mache aus einer staatlich angeordneten Tötung ein öffentliches Spektakel, so Daley. Die Übertragung stehe für eine politische Kultur, in der die Zurschaustellung von Gewalt wieder akzeptabel werde.
Die Ablehnung beschränkt sich nicht auf das liberale Lager. Kathryn Jean Lopez vom konservativen Magazin «National Review» beginnt ihren Kommentar mit dem Urteil: «Das ist widerlich.» Der Tod eines Menschen sei «nicht für eine Show da», schreibt sie. Alyssa Farah Griffin, frühere Mitarbeiterin der ersten Trump-Regierung und heute Moderatorin von «The View», stellte auf X klar, dass sie die Todesstrafe unterstütze, «besonders für Terroristen». Einen Livestream halte sie dennoch für «toxisch für die Gesellschaft» und das Zuschauen für «schlecht für die menschliche Seele». Der Streit verläuft damit nicht entlang der üblichen politischen Lagergrenzen.
Andere konservative Stimmen setzen einen anderen Schwerpunkt. Das rechte Medienportal «NewsBusters» wirft großen US-Medien vor, die geplante Übertragung zum eigentlichen Skandal zu erklären, während Hasans Verbrechen und dessen islamistisches Motiv in den Hintergrund rückten.
Nicht alle Reaktionen sind grundsätzlich ablehnend. Die Nachrichtenagentur AP zitiert die Strafrechtsexpertin Deborah Denno von der Fordham University mit dem Argument, ein Livestream könne die Todesstrafe transparenter machen und der Öffentlichkeit zeigen, was eine Hinrichtung tatsächlich bedeute. Angesichts jüngster Probleme bei der Vollstreckung von Todesurteilen könne dies sinnvoll sein. Denno verweist auf die zuletzt missglückte Hinrichtung von Christa Pike im Bundesstaat Tennessee. Elisabeth Semel von der University of California in Berkeley wirft dagegen Fragen nach der Würde des Verurteilten, dem möglichen Publikum und der Motivation der Regierung auf.
Hinzu kommt ein rechtliches Problem: Nach Angaben des Death Penalty Information Center gibt es bislang weder eine Regelung noch einen Präzedenzfall für einen öffentlich zugänglichen Hinrichtungs-Livestream. Unklar ist auch, auf welcher Plattform die Exekution zu sehen sein soll. Das Technologieportal «The Verge» fragte bei YouTube, Twitch, TikTok, Meta, Rumble und Kick nach, ob sie einen solchen Livestream zulassen würden. Bis zur Veröffentlichung hatte keine der Plattformen geantwortet.
Sollte die Übertragung stattfinden, wäre sie ein historischer Einschnitt. Öffentliche Hinrichtungen waren in den USA einst Volksereignisse, verschwanden aber in den 1930er-Jahren weitgehend aus der Öffentlichkeit. Seitdem werden Todesurteile in der Regel unter Ausschluss eines breiten Publikums vollstreckt. Zwar konnten Angehörige der Opfer vereinzelt Hinrichtungen per geschlossener Videoübertragung verfolgen. Ein öffentlich zugänglicher Livestream wäre laut Death Penalty Information Center jedoch ein Novum. Die US-Armee selbst hat seit 1961 niemanden mehr hingerichtet. Die letzte Hinrichtung durch ein militärisches Erschießungskommando datiert aus dem Jahr 1945.
Ob die Hinrichtung von Nidal Hasan tatsächlich am 3. Dezember vollstreckt wird, ist offen. Hasan könnte das Todesurteil noch vor einem zivilen Bundesgericht anfechten und die Vollstreckung damit erheblich verzögern.