League of Legends Classic wird eingestellt. Wie Riot in einem aktuellen Update angekündigt hat, können Spielerinnen und Spieler bis einschließlich Season 3 noch Partien im Klassik-Modus starten. Danach soll der Modus, wie es heißt, »zurück in seine Box« gepackt werden. Für viele Beobachter kommt das nicht überraschend, denn schon kurz nach dem Start zeigte sich, dass der Großteil der Spielerschaft entweder schnell zu den modernen Spielmodi wechselte oder die Klassik-Version weitgehend ignorierte.
Gerade für Riot dürfte die Entwicklung schmerzhaft sein, wenn man bedenkt, wie viel Arbeit in die Wiederbelebung dieser älteren Version des beliebten MOBA geflossen ist. Der Aufwand ist im Rückblick besonders auffällig. Die Entwickler Brian Feeney, David Turley und der Senior-Animator Einar Langfjord haben vor einiger Zeit geschildert, wie intensiv und umstritten die Arbeit am Projekt war. Nach ihren Angaben gab es schon am Anfang interne Debatten darüber, was in Classic enthalten sein sollte und was nicht. Das Team sah sich damit von Beginn an mit einer schwierigen Aufgabe konfrontiert, zumal die Reaktionen der Fans auf jede Entscheidung unmittelbar absehbar waren.
Eine der größten Herausforderungen war die Auswahl der Helden. Angesichts der vielen Iterationen von League of Legends musste das Team sorgfältig abwägen, was sowohl neue als auch zurückkehrende Spielerinnen und Spieler ansprechen würde. Eine strikte Orientierung an der ältesten Version kam nicht infrage. Die öffentlichen Betas des Klassik-Modus zeigten, dass heutige Fans das Spiel und MOBAs im Allgemeinen deutlich besser verstehen als früher, weshalb die älteste Fassung schnell eingeschränkt und beinahe veraltet wirkte. Feeney erklärte dazu, dass Figuren, deren Schaden mit zunehmender Ausrüstung exponentiell wächst, in einer Umgebung, in der Spieler besser Gegenstände sammeln, deutlich stärker würden als früher.
Turley schlug vor, mit einer Variante der ursprünglich 40 Champions zu beginnen, war sich bei der Auswahl der konkreten Versionen jedoch unsicher. Er sagte, man habe in fast allen Fällen richtig entschieden und während der öffentlichen Beta rasch nachgesteuert. Am Ende standen 60 Start-Champions, eine Mischung aus Originalfiguren und handverlesenen Neuauswahlen. Ziel war ein ausreichend großer Kader, der unabhängig vom Können eines Spielers ausgewogen wirkt.
Auch bei den Spielmechaniken musste das Team einen Mittelweg finden. Zu große Veränderungen hätten den »Classic«-Charakter gefährdet. Turley erläuterte, dass in vielen Fällen das Spiel nahezu identisch sei und Unterschiede kaum auffielen, es gebe aber bessere Wege, bestimmte Dinge umzusetzen. Als Beispiel nannte er den Kauf von Wards: Da neuere Spieler es nicht mochten, Geld für Schutzsichtungen auszugeben, das für Ausrüstung hätte verwendet werden können, wurde eine kostenlose, aber schwächere Option eingeführt. Turley sagte, auch Trinkets, die er 2014 eingeführt hatte, seien eine Verbesserung gewesen, obwohl es sich um eine neuere Mechanik handle.
Am schwierigsten gestaltete sich jedoch die Beschaffung der nötigen Assets. Langfjord verglich seine Arbeit scherzhaft eher mit der eines Archäologen als mit der eines Senior-Animators. Man müsse alte Dateien durchsuchen und hoffen, dass niemand sie gelöscht habe. Selbst wenn eine Figur nicht verloren war, entsprach sie oft nicht mehr den heutigen Standards des Spiels. Der Scion etwa ließ sich nicht einfach zurückholen, er musste neu aufgebaut werden. Teilweise dienten alte Animationsdateien als Grundlage, teilweise musste Langfjord Skins nachbauen, um das Verhalten einer Figur so darzustellen, wie es Jahre zuvor ausgesehen hatte.
Wenn Dateien durch Codeänderungen oder unsachgemäße Speicherung vollständig verloren gegangen waren, nutzte das Team das Dateiverwaltungssystem von Riot, um die Entwicklungszeitleiste des Spiels zu durchsuchen. Ziel war es, den Zeitpunkt zu finden, an dem eine Figur existierte, und daraus Material als Referenz zu kopieren. In den schlimmsten Fällen, in denen es nichts mehr zum Übernehmen gab, musste Langfjord, wie er sagte, »nach Augenmaß schätzen und improvisieren«. Das betraf laut ihm Minions, Dschungel-Creeps und auch einzelne Elemente der Karte.
Ein weiteres Detail zeigt, wie fein die Arbeit war: Langfjord erklärte, man habe die Position der Sonne auf der Karte nicht ausreichend berücksichtigt. In der modernen Version sei sie in einen orangefarbeneren Ton verschoben worden, um echtes Sonnenlicht zu simulieren. Zu Beginn der Klassik-Entwicklung habe man an die Beleuchtung kaum gedacht, weshalb viele Spieler die Karte zunächst als deutlich verändert empfanden. Das Team musste die Beleuchtung später nachträglich anpassen, damit die Karte optisch wieder so wirkte wie früher.
Gegen Ende des Gesprächs erwähnten die Entwickler, dass sie Fan-Feedback nutzten, um über die künftige Richtung des Modus zu entscheiden. Der Wunsch, das MOBA wieder zum Leben zu erwecken, in das sie einst verliebt waren, war bei allen spürbar. Die Leidenschaft reichte jedoch nicht aus, um die Fans dauerhaft zu binden. League of Legends Classic wurde überwiegend als netter Retro-Abstecher gesehen, nicht aber als Ersatz für die aktuelle Version des Spiels. Besonders Spieler, die mit den Start-Champions unzufrieden waren, zeigten sich enttäuscht. In Diskussionen auf Reddit wurde zwar gestritten, was während der Entwicklung genau schiefgelaufen sei, doch fast alle waren sich einig, dass der Modus von einem größeren Umfang der Klassik-Inhalte deutlich profitiert hätte.