Der Vorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, ist tot. Der 55-Jährige war bayerischer Wirtschaftsminister und Vizeministerpräsident sowie Landes- und Bundesvorsitzender seiner Partei. Die Nachricht wurde zunächst von der Bild-Zeitung verbreitet und anschließend von der Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf hochrangige Kreise der bayerischen Staatsregierung bestätigt. Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte, dass Aiwanger in einem Hotelzimmer in Berlin tot aufgefunden wurde.
Aiwanger hatte kurz zuvor einen geplanten Auftritt bei der Eröffnung eines Parteibüros in Berlin aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Danach war er nicht mehr erreichbar. Als man ihn in seinem Zimmer aufsuchte, war er leblos. Die Staatsanwaltschaft hat ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet, um die genaue Ursache zu klären und ein Fremdverschulden auszuschließen. Eine öffentliche Angabe zur Todesursache gibt es bislang nicht.
Der Tod des Politikers löste im Freistaat und darüber hinaus Bestürzung aus. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von einer absoluten Tragödie. Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) bezeichnete den Verlust als schweren Schlag für die bayerische Politik. Auch die Oppositionsparteien äußerten sich geschockt und würdigten den politischen Gegner in ihren Stellungnahmen.
Aiwanger hatte seine politische Laufbahn im Jahr 2008 im Bayerischen Landtag begonnen, wo er die Fraktion der Freien Wähler anführte. Nach der Landtagswahl 2018 ging seine Partei eine Koalition mit der CSU ein, in deren Folge Aiwanger Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident wurde. Im Frühjahr hatten die Freien Wähler bei den Kommunalwahlen starke Ergebnisse erzielt und mehrere Landratsposten von der CSU übernommen. Die Partei hatte damit ihre Position im Freistaat weiter gefestigt.
Ein zentrales politisches Ziel blieb für Aiwanger unerfüllt: der Einzug seiner Partei in den Bundestag. Erst wenige Tage vor seinem Tod sollte er auf einem Parteitag als Bundesvorsitzender bestätigt werden. Der Termin der Wiederwahl war damit kurzfristig überschattet. Bekannt war Aiwanger für seinen volksnahen, populistisch gefärbten Stil, seine Reden im niederbayerischen Dialekt und seine unvorbereiteten Auftritte, die ihm sowohl Anhänger als auch Kritik einbrachten.
Der gelernte Agraringenieur hatte vor seiner Politikkarriere einen Schweinezuchtbetrieb geführt. Dieser berufliche Hintergrund prägte sein Auftreten in ländlichen Regionen, in denen die Freien Wähler besonders stark verankert sind. Seine Politik zielte stets auf die Interessen der Landbevölkerung und des Mittelstands.
Seine Laufbahn war auch von Kontroversen begleitet. Im Jahr 2023 wurde wenige Wochen vor der Landtagswahl ein antisemitisches Flugblatt aus seiner Schulzeit öffentlich. Die Koalition mit der CSU geriet dadurch an den Rand des Scheiterns. Die Freien Wähler erreichten bei dieser Wahl dennoch einen Rekordwert von 15,8 Prozent. Aiwanger hinterlässt zwei Kinder. Seine Partnerin ist die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger.