Wasserflaschen, Konserven, Batterien, Taschenlampe und Radio: Großbritannien holt eine sehr praktische Form der Krisenvorsorge wieder stärker in den Alltag. Die Regierung bereitet eine neue öffentliche Kampagne vor, die Haushalte widerstandsfähiger gegen Ausfälle und Notlagen machen soll.
Auf dem offiziellen Prepare-Portal empfiehlt der Staat haltbare Lebensmittel, die ohne Kochen verzehrt werden können, darunter Fleisch-, Obst- oder Gemüsekonserven. Beim Trinkwasser nennt die Seite etwa 2,5 bis 3 Liter pro Person und Tag als Mindestmenge zum Überleben. Rund 10 Liter pro Tag schaffen zusätzlichen Spielraum für einfaches Kochen und grundlegende Hygiene.
Britische Medien berichteten nun, dass die neue Kampagne Wasser und Konserven ausdrücklich hervorheben soll. Ein offizieller Umsetzungsbericht zur Resilience Action Plan bestätigt zugleich, dass noch 2026 eine nationale Informationskampagne mit neuen Hinweisen für Haushalte starten soll.
Für sich genommen ist das klassische Katastrophenvorsorge. Großbritannien plant nach einem Allgefahren-Prinzip: Hochwasser, Hitze, Dürre, Strom- und Wasserausfälle, Cyberangriffe sowie Aktivitäten feindlicher Staaten werden nicht als voneinander getrennte Welten behandelt. Dass 71,3 Prozent Englands im August als Dürregebiet galten, zeigt die unmittelbare zivile Seite dieser Politik.
Der sicherheitspolitische Kontext ist jedoch ungewöhnlich deutlich. Das Home Defence Programme soll zivile und militärische Planungen für den Fall internationaler Kampfhandlungen zusammenführen, die Großbritannien betreffen. Die Regierung aktualisiert zentrale Krisenprotokolle, die traditionell als „War Books“ bezeichnet werden, und plant für 2027 eine landesweite Übung zur Verteidigung des Heimatgebiets.
In der National Security Strategy 2025 heißt es, Großbritannien müsse sich erstmals seit vielen Jahren wieder aktiv auf die Möglichkeit vorbereiten, dass das eigene Territorium direkt bedroht wird — möglicherweise in einem Kriegsszenario. Die Strategic Defence Review fordert außerdem glaubwürdige nationale Vorbereitungen auf Krieg, Heimatverteidigung und industrielle Mobilisierung.
Damit lässt sich die Empfehlung für Haushalte seriös mit der Gefahr eines größeren Krieges verbinden, ohne mehr zu behaupten als die Dokumente hergeben. London sagt nicht, ein Weltkrieg stehe bevor. Die Regierung plant aber wieder für einen Zustand, in dem eine internationale Konfrontation britische Infrastruktur und das zivile Leben direkt treffen könnte.
Wie schnell diese Grenze verschwimmen kann, zeigt das britische Nationale Risikoregister. Ein schwerer Cyberangriff auf das Stromsystem könnte dort im schlimmsten plausiblen Fall zu einem landesweiten Ausfall führen. Danach wären auch Mobilfunk, Internet, Wasser, Abwasser, Kraftstoff und Gas betroffen. Ein großer Teil der Stromversorgung könnte innerhalb weniger Tage zurückkehren, die vollständige Wiederherstellung kann in einem schweren Szenario jedoch eine Woche oder länger dauern.
Für Deutschland ist dieser Kurs Teil einer breiteren europäischen Entwicklung. Die Preparedness-Union-Strategie der EU fordert, dass die Bevölkerung in Krisen mindestens 72 Stunden weitgehend selbstständig überbrücken kann. Gleichzeitig sollen zivile und militärische Vorsorge enger miteinander verbunden werden. Als Gründe nennt Brüssel neben Klimarisiken ausdrücklich geopolitische Spannungen, Konflikte und Cyberbedrohungen.
Auch die britische Verteidigungsüberprüfung verweist auf Lehren aus der Ukraine und auf Erfahrungen nordischer und baltischer Staaten. Das zeigt, welches Modell London interessiert: nicht die Militarisierung des Alltags, sondern eine Gesellschaft, die bei Sabotage, Stromausfällen oder Versorgungsschocks weniger schnell handlungsunfähig wird.
Ein paar Flaschen Wasser und einige Konserven sind deshalb weder Beweis für Panik in London noch eine geheime Vorwarnung vor dem Dritten Weltkrieg. Sie sind die niedrigste Stufe eines Systems, das von der Küche über Energieversorger und Kommunen bis zu Ministerien und Streitkräften reicht.
Der politische Wandel liegt darin, dass Krieg in diesen Planungen nicht mehr als undenkbarer Ausnahmefall ausgeklammert wird. Großbritannien will für Überschwemmungen und Blackouts vorbereitet sein — und zugleich für die Möglichkeit, dass ein Konflikt zwischen Staaten genau solche Störungen absichtlich erzeugt.