Der Einsatz Künstlicher Intelligenz verändert die Arbeitswelt in den sogenannten MINT-Berufen spürbar – und führt bei einem Teil der Beschäftigten sogar zum Jobwechsel. Rund vier von zehn MINT-Fachkräften in Deutschland (38,4 Prozent) berichten, dass in den vergangenen zwölf Monaten Kollegen aus ihrem Team aus KI-bezogenen Gründen das Unternehmen verlassen haben. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.
Die Zahlen stammen aus einer Befragung von 817 MINT-Erwerbstätigen in Deutschland, die im Sommer vom Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der britischen Personalberatung SThree durchgeführt wurde. Als Hauptgrund für die KI-bedingten Abgänge nennen 52,2 Prozent der Betroffenen, dass sich die eigene Arbeit « bis zur Unkenntlichkeit » verändert habe. Fast die Hälfte (46,5 Prozent) klagt über fehlende Entwicklungsperspektiven, und für 36,9 Prozent war die Arbeitslast nicht mehr tragbar. Die Befragten konnten dabei mehrere Gründe angeben, sodass sich die Anteile nicht zu hundert Prozent addieren.
Besonders stark zeigt sich diese Dynamik im Fachbereich Life Sciences, also in den Biowissenschaften und der Medizin. Dort berichten 56,8 Prozent der Befragten von KI-bedingten Teamabgängen. In der IT-Branche liegt der Wert bei 28,9 Prozent, im Ingenieurwesen bei 29,6 Prozent. Der Vergleich macht deutlich, dass die Auswirkungen des KI-Einsatzes je nach Fachgebiet sehr unterschiedlich ausfallen.
Trotz der Abgänge sehen MINT-Spezialisten die Technologie keineswegs nur negativ. Zwei Drittel der KI-Nutzer (66,8 Prozent) geben an, dass die Produktivität ihres Teams heute höher ist als vor zwei Jahren. Die gesparte Zeit investieren viele vor allem in strategisches Denken (38,0 Prozent), in Weiterbildung (29,0 Prozent) oder in die Übernahme zusätzlicher Aufgaben (29,4 Prozent).
Auch die emotionale Wahrnehmung des KI-Einsatzes fällt überwiegend positiv aus. Begriffe wie « anregend » (38,0 Prozent), « Neugier » (37,0 Prozent) oder « spannend » (32,7 Prozent) werden deutlich häufiger mit KI assoziiert als « Druck » (11,7 Prozent) oder « Angst » (9,3 Prozent). Dieses Bild zeigt, dass die Beschäftigten den technologischen Wandel grundsätzlich mit Offenheit betrachten, auch wenn er ihren Berufsalltag stark verändert.
Um Fachkräfte trotz der raschen Veränderungen zu halten, fordern Beschäftigte in offenen Antworten vor allem gezielte Weiterbildungsangebote, klare Regeln für den Einsatz von KI sowie eine frühzeitige Einbindung durch das Management. Die Befragung legt nahe, dass Produktivitätsgewinne allein nicht ausreichen, wenn Unternehmen die Arbeitsbelastung und die beruflichen Perspektiven ihrer Mitarbeiter nicht im Blick behalten. Gerade in Branchen mit hohem Fachkräftebedarf kann der Verlust erfahrener Teammitglieder daher zu einer echten Herausforderung werden.