Im Westjordanland haben radikale israelische Siedler einem Medienbericht zufolge ein US-Fernsehteam und eine palästinensische Familie angegriffen. Bei dem Vorfall im Dorf Dschalud südlich von Nablus seien ein Mann und eine Frau verletzt worden, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa. Die Journalisten des US-Senders NBC News hätten eine Familie zu ihrem Haus begleitet, das diese bereits vor längerer Zeit hatte verlassen müssen.
Die Siedler hätten unter anderem die Windschutzscheibe des Fahrzeugs eingeschlagen, meldete Wafa. „Sie sprangen heraus, schlugen uns und sprangen dann zurück ins Auto“, zitierte NBC News seinen Korrespondenten. Dieser sei zweimal am Arm getroffen und später in einer Klinik behandelt worden. Die israelische Armee teilte mit, Sicherheitskräfte seien in Dschalud im Einsatz, „um weitere Unruhen zu verhindern und die Ordnung in der Region wiederherzustellen“. Man verurteile „alle Formen von Gewalt aufs Schärfste“.
Der Angriff auf das Fernsehteam reiht sich ein in eine Serie gewaltsamer Übergriffe radikaler Siedler im Norden des Westjordanlands. Bereits seit Wochen kommt es in der Region immer wieder zu Konfrontationen. Im nahe gelegenen Dorf Kusra belagern radikale Siedler seit drei Wochen mehrere Häuser palästinensischer Einwohner. Dort verschanzten sich Dutzende israelische Randalierer in einem palästinensischen Haus, während sich auch palästinensische Bewohner darin aufhielten. Die israelische Armee bestätigte gewaltsame Konfrontationen, darunter Steinwürfe auf Palästinenser. Sicherheitskräfte hätten die Gruppen getrennt und die Randalierer aus dem Gebäude gebracht. Mehrere Fahrzeuge der Angreifer seien beschlagnahmt und der Polizei als Beweismittel übergeben worden.
Palästinensische Medien berichteten dagegen, die Siedler seien bei den Angriffen von Soldaten geschützt worden. Mehrere Palästinenser seien durch Pfefferspray verletzt worden, das Siedler gegen sie eingesetzt hätten. Die Nachrichtenagentur Wafa meldete zudem, weitere Siedler seien während des Vorfalls angerückt und hätten umliegende Felder in palästinensischem Besitz in Brand gesetzt. Nach Angaben von Bewohnern und Aktivisten greift die israelische Armee bislang nicht wirksam gegen die Siedler ein.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte die jüngsten Vorfälle. Er verurteile aufs Schärfste „die kriminellen Gewalttaten, die von einer Handvoll Gesetzesbrechern verübt“ worden seien. „Sie fügen der gesetzestreuen Siedlerbevölkerung großen Schaden zu, behindern die israelische Armee bei der Erfüllung ihrer Aufgaben und schaden dem Ansehen Israels in der Welt“, erklärte Netanjahu. Er erwarte von den zuständigen Behörden, dass die Randalierer so schnell wie möglich zur Rechenschaft gezogen werden.
Die USA hatten in den vergangenen Wochen die Siedlergewalt im Westjordanland deutlich verurteilt und nach Medienberichten von Israel ein entschlosseneres Vorgehen gegen die Angreifer gefordert. Der Angriff auf das US-Fernsehteam in Dschalud dürfte den internationalen Druck auf die israelische Regierung weiter erhöhen, gegen radikale Siedler vorzugehen.