Eine neue Welle falscher Bombendrohungen hat den Flugverkehr in Europa erneut durcheinandergebracht. Am Donnerstag waren nach Angaben aus den Berichten rund 20 Flüge betroffen, mehrere mussten umgeleitet werden oder wurden von Militärjets eskortiert. Es handelt sich um die dritte Welle solcher Drohungen in dieser Woche. In keinem Flugzeug und an keinem Flughafen wurden bislang Sprengstoffe gefunden.
Im Fokus standen unter anderem Verbindungen nach Italien, Bulgarien und Tschechien. Betroffen waren Fluggesellschaften wie Ryanair, Finnair, Wizz Air und Aer Lingus. Mehrere Ryanair-Maschinen waren auf dem Weg von Madrid, Kopenhagen und London-Stansted nach Sofia. Zwei von ihnen landeten in der bulgarischen Hauptstadt, eine Maschine wich nach Plowdiw aus. Das bulgarische Verteidigungsministerium teilte mit, dass Kampfjets die Ryanair-Flugzeuge begleitet hatten.
Die Drohungen erreichten den Flughafen Sofia per E-Mail. Darin wurde behauptet, Sprengstoff befinde sich an Bord von Flugzeugen und im Terminal. Die Mails waren mit einer Gruppe unterzeichnet, die sich »Männerstaat« nennt und als rechtsextremes, antifeministisches Netzwerk beschrieben wird. Ob diese Gruppe tatsächlich hinter den Drohungen steckt, ist nicht überprüft. Eine Nichtregierungsorganisation mit Russland-Bezug, die solche Netzwerke beobachtet, gibt an, die Gruppe habe Tausende Mitglieder.
Ein Flug von Aer Lingus auf der Strecke von Dublin nach Rom mit 157 Menschen an Bord musste auf dem französischen Luftwaffenstützpunkt Évreux landen und wurde dort durchsucht. Die französische Staatsanwaltschaft leitete nach Angaben aus den Berichten ein Ermittlungsverfahren ein, nachdem sich der Pilot gegen die Landung auf dem Militärstützpunkt gewehrt hatte.
Zwei Wizz-Air-Flüge wurden ebenfalls zum Ziel der Drohungen. Eine Verbindung von Mailand nach Warschau wurde nach Wien umgeleitet, eine Verbindung von Mailand nach Bukarest landete regulär, woraufhin ein Krisenstab eingerichtet wurde. Auch Flüge der griechischen Aegean Airlines und der polnischen LOT erhielten Drohungen. Die Warschauer Flughafenverwaltung musste am Dienstag den Betrieb kurzzeitig einstellen, nachdem am Montag bereits eine Wizz-Air-Maschine umgeleitet worden war.
In Kopenhagen teilte die Polizei mit, am Flughafen bestehe keine Gefahr, nachdem zwei bedrohte Flüge gelandet waren. Vier Flüge mit Ziel Prag waren betroffen, darunter zwei von easyJet, einer von Ryanair und einer von Sky Express. Die tschechische Antiterrorpolizei hat die Ermittlungen übernommen.
Auch in Italien gingen Drohungen ein. Die Mails waren in fehlerhaftem Italienisch verfasst und erreichten den Betreiber des Flughafens Rom. EU-Verkehrskommissar äußerte sich zurückhaltend: Es sei zu früh, die Drohungen mit hybriden Angriffen in Verbindung zu bringen. Am Dienstag waren zehn Flugzeuge auf innereuropäischen Routen von Drohungen betroffen, die sich später als falsch erwiesen. In einigen jüngeren hybriden Angriffen werden Russland oder Iran verdächtigt, eine Bestätigung dafür gibt es im vorliegenden Fall nicht.
Die Ermittlungen in den betroffenen Ländern laufen weiter. Die Täter sind bislang nicht identifiziert.