Microsoft will rund 60.000 Beschäftigten freiwillige Abfindungen anbieten. Mit dem Schritt will der Konzern Kosten senken und seine Belegschaft umbauen, während er massiv in künstliche Intelligenz investiert. Die Zahl entspricht etwas mehr als einem Viertel der gesamten Mitarbeiterschaft.
Betroffen sind ausgewählte Angestellte in den USA, Kanada, Großbritannien und Indien auf Vizepräsidenten-Ebene und darunter. Sie erhalten ein sogenanntes Voluntary Exit Offer, kurz VEO. Amy Coleman, Executive Vice President und Chief People Officer, teilte das Angebot in einer Nachricht an die Belegschaft mit. Nicht alle Mitarbeitenden sind berechtigt: Einige Beschäftigte, darunter Teile der Teams, die an Rechenzentren arbeiten, sind vom Angebot ausgenommen.
Microsoft hatte laut eigenen Angaben Ende Juni 223.000 Beschäftigte, nach 228.000 Ende 2025. Die Beschäftigten haben bis Dezember Zeit, sich zu entscheiden. Wer das Angebot annimmt, verlässt das Unternehmen am 31. Dezember. Die Abfindung wirkt damit wie eine Vorstufe zu möglichen Entlassungen: Zusätzliche Zusagen kommen, bevor es zu erzwungenen Kündigungen kommen könnte, wie ein Medienbericht die Logik beschreibt.
Laut Bloomberg steht der Stellenabbau im Zusammenhang mit dem Fokus auf KI. Der Konzern baut kostspielige Rechenzentren auf, die Cloud-Dienste unter anderem für Anthropic und OpenAI bereitstellen. Im Juni hatte Microsoft-Chef Satya Nadella auf Proteste aus Gemeinden gegen den massiven Ausbau dieser Rechenzentren reagiert. Kritisiert wurden unter anderem Stromkosten, Umweltfolgen und mögliche Auswirkungen auf Arbeitsplätze. Nadella erklärte, der tägliche Wasserverbrauch eines Microsoft-Rechenzentrums über ein ganzes Jahr entspreche in etwa dem, was ein einzelnes Restaurant verbrauche.
Das Angebot folgt auf einen früheren Personalabbau. Vor drei Monaten strich Microsoft 4.800 Stellen, rund 2,1 Prozent der weltweiten Belegschaft. Dazu gehörten auch die Entlassungen im Xbox-Bereich, von denen im Juli 1.600 Beschäftigte betroffen waren. Sie waren Teil des von Asha Sharma angestoßenen »Reset« des Gaming-Geschäfts. Bereits früher in diesem Jahr hatten sich über 30 Prozent der berechtigten Mitarbeitenden für das erste freiwillige Vorruhestandsprogramm des Unternehmens entschieden. Die aktuelle Offerte ist damit bereits der zweite Versuch dieser Art innerhalb weniger Monate, Personal über freiwillige Wege zu reduzieren.
Auch in der Branche wird der Einsatz von KI intensiv diskutiert. Ein Xbox-Geschäftsstratege behauptete Anfang dieses Monats, dass in der Videospielbranche alle KI nutzten, dies aber nach außen verschwiegen. Im Gaming-Bereich wurden die Entlassungen zudem als Teil eines größeren Umbaus der Division wahrgenommen, in der Beschäftigte und Beobachter den Druck auf die Belegschaft deutlich spüren. Microsoft verbindet die aktuellen Maßnahmen damit, Strukturen an einen KI-geprägten Markt anzupassen.