Papst Leo XIV. hat am Montag mit einem Besuch in Metz seinen mehrtägigen Aufenthalt in Frankreich abgeschlossen. Im Mittelpunkt des letzten Reisetages stand ein Gottesdienst im Dom Saint-Étienne, bei dem der Papst die europäische Einigung als Quelle des Friedens würdigte. Der französische Präsident Emmanuel Macron nahm an der Messe teil.
Die Reise nach Lothringen führte den Papst an einen Ort, der wie kaum ein anderer mit der Geschichte der europäischen Integration verbunden ist. Metz liegt in unmittelbarer Nähe zu Luxemburg und dem Geburtsort Robert Schumans, des französischen Außenministers, der 1950 mit seiner Erklärung die Grundlage für die Montanunion und damit für die spätere Europäische Union legte. Der Papst kam nach Moselle, um das Andenken Schumans zu ehren und die Bedeutung seines Werkes für die Gegenwart hervorzuheben.
Bemerkenswert ist die Konstellation: Ein Papst aus den Vereinigten Staaten verteidigt in Europa die europäische Einigung. Für Beobachter ist dies ein bewusster Kontrapunkt zur aktuellen Politik Washingtons, die sich von multilateralen Strukturen zunehmend abwendet. Leo XIV. setzt damit ein Zeichen für Zusammenhalt und gemeinsame Verantwortung auf dem Kontinent.
Der Besuch in Metz bildete den dritten und letzten Abschnitt einer Reise, die in Frankreich als historisch eingestuft wird. Bereits an den Vortagen hatte der Papst die Verbindung von Glauben, Geschichte und politischer Verantwortung thematisiert. In seiner Predigt und in seinen Ansprachen ging es wiederholt um die Frage, wie christliche Werte und die Idee eines geeinten Europas zusammengedacht werden können.
Die Anwesenheit Macrons unterstreicht die politische Bedeutung des Besuchs. Der Präsident hatte seine Teilnahme an der Messe zunächst offengelassen und schließlich zugesagt. Damit wird deutlich, dass der Vatikan und der Élysée-Palast dem Anlass ein Gewicht beimessen, das über ein rein religiöses Ereignis hinausreicht. Der Gottesdienst im Dom von Metz geriet so auch zu einer Demonstration der Verbundenheit von Kirche und staatlicher Ordnung in Europa.
Für die katholische Kirche in Frankreich ist der Papstbesuch ein wichtiges Signal. Das Land gilt als stark säkularisiert, zugleich aber als historisch tief christlich geprägt. Der Papst verband in Metz beide Stränge: die Erinnerung an die christlichen Wurzeln Europas und den Auftrag, in der Gegenwart für Frieden und Verständigung einzutreten. Die Wahl des Ortes macht diese Botschaft anschaulich, liegt Metz doch in einer Grenzregion, die über Jahrhunderte Schauplatz deutsch-französischer Konflikte war und heute als Symbol der Aussöhnung gilt.
Mit der Rückkehr nach Rom endet eine Reise, die in Frankreich breit verfolgt wurde. Ob von dem Besuch dauerhafte Impulse für die europäische Debatte ausgehen, wird sich zeigen. Klar ist, dass Leo XIV. die Gelegenheit genutzt hat, um für ein Europa zu werben, das sich auf gemeinsame Werte und die Erinnerung an seine Geschichte stützt.