Mit «The Uprising» bringt Regisseur Paul Greengrass den englischen Bauernaufstand von 1381 auf die Leinwand. Andrew Garfield spielt einen einfachen Bauern, der nach Jahren der Unterdrückung und einer erbarmungslosen Steuerpolitik unter König Richard II. einen Aufstand anführt. Tausende einfache Leute marschieren auf London, um Gerechtigkeit und Freiheit einzufordern. Der Film startet mit gemischten Kritiken: Bei Rotten Tomatoes steht er bei 50 Prozent, auf Metacritic bei 56 von 100 Punkten.
Die Handlung spielt vor dem Hintergrund einer Pest, die in Europa die Hälfte der englischen Bevölkerung dahingerafft hat. Während die Oligarchen und der junge König die Ärmsten mit neuen Abgaben belasten, wächst in Garfields Figur die Wut. Innerhalb weniger Tage eskaliert die Lage zu einer blutigen Revolte. Neben Garfield spielen Thomasin McKenzie, Katherine Waterston, Jamie Bell und Cosmo Jarvis in dem Historiendrama mit.
Die Kritiken loben vor allem die Inszenierung. Pete Hammond von Deadline schreibt, Greengrass verstehe es, Action zu inszenieren und das Tempo hochzuhalten. Der Film sei nicht nur ein Werk über seine Zeit, sondern auch über unsere: Man spüre dieselbe Wut über Mächtige und deren Berater, die keine Rücksicht auf den kleinen Mann nähmen. Auch Mick LaSelle von der San Francisco Chronicle vergibt drei von vier Sternen und nennt den Film eine «energiegeladene, befriedigende Geschichte». Dass das amerikanische Publikum die historischen Fakten meist nicht kenne, mache die Überraschungen umso besser.
Andrew Garfield trägt den Film nach Ansicht mehrerer Kritiker. Liam Gaughan von HighOnFilms schreibt, Garfield biete eine «bescheidene Darstellung von Selbstlosigkeit», die dem Film mehr Menschlichkeit verleihe, als er sonst verdient hätte. Lacy Baugher von RogerEbert betont, Garfield mache einen «sympathischen Jedermann», der abgekämpft und zugleich entschlossen hoffnungsvoll wirke. Seine Figur glaube an die Gerechtigkeit des Königtums und an ein System, das Reiche und Arme gleichermaßen stützen solle – was historisch durchaus stimmig sei, da die Rebellen den König als eine fast göttliche, unerreichbare Figur betrachtet hätten.
Deutlich kritischer äußert sich die Slant Magazine. Marshall Shaffer vergibt nur zwei von vier Punkten und schreibt, die Figur des Ploughman – so der Name von Garfields Bauern – kämpfe darum, die Kräfte zu kontrollieren, deren Zorn er selbst entfacht habe. Der Film verrate am Ende die Glaubwürdigkeit seiner eigenen Bewegung. Auch IGN-Kritiker Jim Vejvoda bemängelt den Schlussakt: Der Film tauche den Zuschauer zwar in die Hölle des englischen 14. Jahrhunderts, werde aber von einem Finale ausgebremst, das krampfhaft versuche, etwas Aufmunterndes in einer düsteren Saga aus Trauer und Wut zu finden.
Ein wiederkehrendes Thema in den Besprechungen ist die Frage, ob «The Uprising» eigentlich ein Robin-Hood-Film sei. Die Marketingkampagne deutet in diese Richtung, doch die Kritiker sind sich uneinig. Rachel Leishman von CBR schreibt, der Film hätte davon profitiert, wenn er sich stärker auf die Robin-Hood-Ursprungsgeschichte eingelassen hätte – «mehr Männer in Strumpfhosen» hätten dem Film gutgetan. Christian Zilko von IndieWire vergibt die Note B und spekuliert, dass das Ende wie eine Szene wirke, die man anhänge, wenn man glaube, es könne einen kompletten Robin-Hood-Film mit Andrew Garfield geben. Das Ende sitze aber und lasse das Publikum eher aufgewühlt als hoffnungslos zurück.
Brandon Zachary von ScreenRant vergibt mit 9 von 10 Punkten die beste Wertung. In einer Zeit, in der die Kluft zwischen Arm und Reich größer werde und die Öffentlichkeit frustrierter über Regierungen sei, spreche «The Uprising» eine rohe Wut an, die besonders aktuell wirke. Der Film sei einer von Greengrass’ kühnsten, mit einer klaren Haltung zu den Kämpfen der modernen Welt – trotz des historischen Settings. Die Schwächen lägen in der Darstellung der Mächtigen; sobald der Film sich auf die Beschwerden des Volkes konzentriere, werde er ergreifend, tragisch und fesselnd.
«The Uprising» ist nach «The Bourne Supremacy», «The Bourne Ultimatum» und «Captain Phillips» der neueste Film von Paul Greengrass. Der Regisseur ist bekannt für seine ruppige, dokumentarisch anmutende Kameraführung und schnelle Schnitte, die auch hier für intensive Schlachtsequenzen sorgen. Ob der Film angesichts der gemischten Resonanz zum Kassenhit wird, bleibt abzuwarten – die Debatte über seine historischen Freiheiten und seine politische Botschaft dürfte aber noch eine Weile weitergehen.