Die IG Metall verlangt für die Beschäftigten der nordwestdeutschen Stahlindustrie einen deutlichen Lohnaufschlag von fünf Prozent. Die Forderung hat die zuständige Tarifkommission beschlossen, wie die Gewerkschaft mitteilte. Betroffen sind rund 60.000 Beschäftigte in einer Branche, die unter hohen Kosten und starker Konkurrenz aus Asien leidet.
Der bisherige Stahl-Tarifvertrag läuft zum Jahresende aus. Er war 15 Monate gültig und sah drei Nullmonate vor, danach einen Lohnaufschlag von 1,75 Prozent. Mit der jetzigen Forderung geht die IG Metall in die anstehenden Verhandlungen. Eine ähnliche Forderung hatte die Gewerkschaft bereits in die separaten Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie eingebracht.
Zur nordwestdeutschen Stahlindustrie zählen Unternehmen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen und Hessen. Zu den prominenten Vertretern gehören die Duisburger Stahlsparte des Industriekonzerns Thyssenkrupp sowie Salzgitter aus Niedersachsen. Stahlfirmen im Saarland und in Ostdeutschland fallen dagegen unter andere Tarifverträge.
Die Branche steht unter erheblichem Druck. Hohe Kosten, etwa für Energie, setzen den Stahlfirmen in Deutschland zu, während die Konkurrenz aus Asien hart auftritt. Die IG Metall räumt ein, dass sich die Industrie in einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld befindet. Gleichzeitig verweist sie auf positive Signale: Die Auftragseingänge der Stahlindustrie hätten sich erfreulich entwickelt, was erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung sei.
Verhandlungsführer Knut Giesler begründet die Forderung mit der Belastung der Beschäftigten. «Wer täglich unter anspruchsvollen Bedingungen Stahl produziert und die Transformation der Branche mitträgt, hat Anspruch auf eine faire Beteiligung an der wirtschaftlichen Erholung», sagte er. Die Belegschaften hätten in den vergangenen Jahren enorme Belastungen getragen und müssten weiterhin hohe Preise für Energie, Mobilität und Lebensmittel verkraften. «Unsere Forderung ist maßvoll, nachvollziehbar und gerecht.»
Giesler erwartet von der Arbeitgeberseite ein Angebot, das der Leistung der Beschäftigten und den gestiegenen Belastungen Rechnung trägt. Wie die Arbeitgeber auf die Forderung reagieren werden und wann die Gespräche beginnen, ist derzeit nicht bekannt.