Der Finanzinvestor Attestor übernimmt die Ferienfluggesellschaft Condor vollständig. Wie das Unternehmen mitteilte, erwirbt der bisherige Mehrheitseigner die restlichen 49 Prozent der Anteile. Damit endet die Beteiligung des Bundes und des Landes Hessen an der Airline, die in der Corona-Krise mit staatlichen Mitteln gestützt werden musste.
Der Bund und das Land Hessen ziehen sich komplett aus dem Unternehmen zurück. Die staatlichen Hilfen aus den Krisenjahren der Pandemie sind nach Angaben des Unternehmens vorzeitig zurückgezahlt worden. Für den Steuerzahler bedeutet der Ausstieg, dass die öffentliche Hand nicht länger als Miteigentümerin an dem Ferienflieger beteiligt ist.
Condor war während der Corona-Pandemie in eine schwere wirtschaftliche Schieflage geraten, weil der internationale Reiseverkehr zeitweise fast vollständig zum Erliegen kam. Der Bund und das Land Hessen hatten die Airline damals mit einem Rettungspaket unterstützt, um den Fortbestand des Unternehmens und zahlreiche Arbeitsplätze zu sichern. Im Gegenzug erhielt der Staat Anteile an der Gesellschaft.
Attestor war bereits vor der vollständigen Übernahme Mehrheitseigner von Condor. Mit dem Erwerb der verbleibenden Anteile bündelt der Finanzinvestor nun sämtliche Eigentumsrechte an der Fluggesellschaft. Für Condor bedeutet der Schritt eine klare Eigentümerstruktur ohne staatliche Beteiligung. Das Unternehmen kann damit unabhängig von öffentlichen Miteignern über seine künftige Ausrichtung entscheiden.
Die vollständige Übernahme durch einen privaten Finanzinvestor ist auch ein Signal für den Luftverkehrsstandort Deutschland. Condor positioniert sich als Ferienflieger in einem Markt, der nach der Pandemie wieder stark gewachsen ist, aber weiterhin unter hohem Wettbewerbsdruck und schwankenden Treibstoffkosten leidet. Die Airline fliegt Ziele in Europa, Nordamerika und anderen Urlaubsregionen an und konkurriert dort mit anderen Anbietern.
Für die Beschäftigten von Condor ändert sich durch den Eigentümerwechsel zunächst nichts an den bestehenden Arbeitsverhältnissen. Der vorzeitige Rückzahlung der Staatshilfen und der vollständige Rückzug der öffentlichen Hand beseitigen jedoch die politische Mitverantwortung für das Unternehmen. Der Bund und das Land Hessen hatten ihre Beteiligung stets als zeitlich befristete Krisenmaßnahme bezeichnet.
Mit dem Ausstieg des Staates endet ein Kapitel der deutschen Luftfahrtgeschichte, in dem der Bund während der Pandemie gleich mehrere Airlines stützen musste. Condor gehörte zu den Unternehmen, die ohne staatliche Hilfe nicht überlebensfähig gewesen wären. Dass die Hilfen nun vorzeitig zurückgezahlt sind und ein privater Investor die Anteile vollständig übernimmt, werten Beobachter als Zeichen der Erholung der Branche.
Ob der Eigentümerwechsel auch strategische Veränderungen bei Condor nach sich zieht, ist offen. Attestor hatte sich in der Vergangenheit als langfristig orientierter Investor präsentiert. Die Airline will ihr Streckennetz und ihre Flotte in den kommenden Jahren weiterentwickeln. Der vollständige Rückzug des Staates gibt dem Unternehmen den Spielraum, diese Pläne ohne öffentliche Rücksichtnahmen voranzutreiben.