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Rockstar Games verteidigt Geheimhaltung von GTA 6 vor Gericht in Glasgow

Rockstar Games vergleicht den Schutz der GTA-6-Geheimnisse mit Apples iPhone oder Coca-Colas Rezept und nennt Drohnen, Datenlecks und einen Maulwurf im Discord der Gewerkschaft als Gründe für drastische Sicherheitsmaßnahmen.

Rockstar Games hat vor dem Employment Tribunal in Glasgow erstmals detailliert dargelegt, mit welchem Aufwand der Konzern die Geheimnisse von GTA 6 schützt. In der Eröffnungserklärung des Verfahrens verglich das Unternehmen seine Sicherheitsvorkehrungen mit denen von Apple oder der Coca-Cola Company. «Der Schutz der Geheimnisse des einzigartigen Gameplays und Designs ist vergleichbar damit, wie Apple das iPhone oder Coke seine Formel schützt», zitiert IGN aus der Stellungnahme. Die Standards und Erwartungen an Informationssicherheit und Privatsphäre lägen «exponentiell über denen der meisten Arbeitgeber».

Das Verfahren, das am Vortag begann, dreht sich um die Entlassung von 34 GTA-6-Entwicklern in Großbritannien und Kanada im vergangenen Jahr. Rockstar wirft den ehemaligen Mitarbeitern vor, über einen Discord-Server vertrauliche Informationen weitergegeben zu haben. Die Betroffenen und die Gewerkschaft Independent Workers of Great Britain (IWGB) bestreiten das und behaupten, die Kündigungen seien wegen gewerkschaftlicher Aktivitäten erfolgt. Rockstar hat diesen Vorwurf zurückgewiesen. Die ehemaligen Beschäftigten rufen derweil dazu auf, GTA 6 nicht zu boykottieren, sondern T-Shirts zu kaufen, um ihren Rechtsstreit zu finanzieren.

Die Sicherheitsmaßnahmen bei Rockstar reichen weit über übliche Unternehmensstandards hinaus. Nach Angaben des Studios wurden die Fenster der Bürogebäude mit einer Sichtschutzfolie versehen, nachdem Drohnen eingesetzt worden waren, um Mitarbeiter auszuspähen und das Innere der Gebäude zu fotografieren. Besucher dürfen keine Fotos machen, externe Speichergeräte sind auf dem Firmengelände verboten, und die Möglichkeit zum Homeoffice ist stark eingeschränkt. Ein festangestelltes Team aus fünf Ermittlern und einem Direktor überwacht mögliche Leaks.

Dass diese Vorsichtsmaßnahmen nicht immer ausreichen, musste Rockstar bereits mehrfach erfahren. Nach einem massiven Datenleck im Jahr 2022 tauchten erst im vergangenen Monat erneut Gameplay-Videos zu GTA 6 im Netz auf – kurz vor der erweiterten Premiere des Spiels auf Netflix. «Es wäre eine Untertreibung zu sagen, dass durchgesickerte Gameplay-Videos unser Team am Boden zerstört haben», hieß es damals in einer Stellungnahme. «So hatten wir uns nach all der Zeit nicht vorgestellt, dass ihr das Spiel zu sehen bekommt.»

Im laufenden Verfahren in Glasgow spielt auch ein Maulwurf eine Rolle. Wie aus den über 100 Seiten umfassenden Eröffnungsschreiben beider Seiten hervorgeht, hatte Rockstar nach eigenen Angaben über zweieinhalb Jahre lang eine Informationsquelle im Discord-Server der gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten. Die Unterlagen, die unter anderem der Rock Paper Shotgun und Game Developer vorliegen, geben Einblick in die Ereignisse vor den Entlassungen. Tausende Seiten Beweismaterial sollen in den kommenden Wochen erörtert werden.

Während das Verfahren in Glasgow läuft, gibt es auf der anderen Seite des Atlantiks Fortschritte bei einem ähnlichen Konflikt: Blizzard hat offiziell eine neue Vereinbarung zwischen seiner Gewerkschaft und Microsoft unterzeichnet. Für Rockstar bleibt die Frage offen, ob die strengen Geheimhaltungsregeln vor Gericht Bestand haben – und ob die 34 ehemaligen Entwickler ihren Arbeitsplatz zurückerhalten oder eine Entschädigung durchsetzen können.