Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat das bundeseigene Energieunternehmen Sefe angewiesen, vermehrt Erdgas einzuspeichern. Wie eine Sprecherin des Ministeriums mitteilte, fiel die Entscheidung in Abstimmung mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Ein Sprecher von Sefe bestätigte, dass das Unternehmen die Anweisung erhalten habe, bis zum 15. Dezember acht Terawattstunden Gas zu beschaffen und in die Speicher einzuspeichern.
Hintergrund des Schritts sind die vergleichsweise niedrigen Füllstände der deutschen Gasspeicher. Aktuell liegt der Füllstand bei knapp 58 Prozent. Als zentralen Grund für die Anweisung nannte das Ministerium die weiter andauernden geopolitischen Risiken. «Aus der Perspektive der Krisenvorsorge ist dieser Schritt ein wichtiger zusätzlicher Beitrag, um die Resilienz der deutschen Gasversorgung zu erhöhen», sagte die Sprecherin.
Reiche hatte bereits vor drei Wochen die Handlungsfähigkeit der Regierung betont. «Wir haben Vorkehrungen getroffen für jedes Szenario», sagte die CDU-Politikerin im Bundestag. Die entsprechenden Instrumente seien vorbereitet. Nun wird eines dieser Instrumente tatsächlich angewendet. In einem Bericht des Wirtschaftsministeriums für eine Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses des Bundestags hieß es Mitte September, nach aktuellem Erkenntnisstand sei eine Gasmangellage im kommenden Winter nicht zu erwarten. Die aktuelle Anweisung an Sefe ist dennoch ein zusätzlicher Vorsorgeschritt.
Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der die Energieversorgung in Deutschland weiterhin als sensibel gilt. Die geopolitischen Unsicherheiten, insbesondere im Zusammenhang mit der Versorgungslage in Europa, haben in den vergangenen Jahren mehrfach zu Preisschwankungen und Versorgungsängsten geführt. Die Bundesregierung hatte deshalb verschiedene Maßnahmen vorbereitet, um auf unterschiedliche Szenarien reagieren zu können. Die Einspeicherung durch Sefe ist Teil dieser Strategie.
Sefe ist ein bundeseigenes Energieunternehmen, das aus der früheren Gazprom Germania hervorgegangen ist. Nach der Übernahme durch den Bund steht es unter staatlicher Kontrolle und kann für strategische Aufgaben der Gasversorgung eingesetzt werden. Die Anweisung, acht Terawattstunden Gas bis Mitte Dezember zu beschaffen, bedeutet eine erhebliche Menge, die zur Auffüllung der Speicher beitragen soll. Ein Terawattstunde entspricht in etwa dem Jahresverbrauch von rund 50.000 Haushalten.
Die Füllstände der Gasspeicher in Deutschland sind im europäischen Vergleich derzeit unterdurchschnittlich. In den vergangenen Jahren hatten niedrige Speicherstände vor Beginn der Heizperiode wiederholt Besorgnis ausgelöst. Die aktuelle Anweisung soll dazu beitragen, die Versorgungssicherheit für den kommenden Winter zu stärken. Ob weitere Maßnahmen folgen werden, ließ das Ministerium offen. Es verwies auf die vorbereiteten Instrumente, die je nach Lage eingesetzt werden könnten.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet der Schritt zunächst keine unmittelbaren Änderungen. Die Gasversorgung in Deutschland bleibt nach Einschätzung des Ministeriums auch ohne die zusätzliche Einspeicherung gesichert. Die Maßnahme dient der Vorsorge und soll die Resilienz des Systems erhöhen. Beobachter werten die Anweisung an Sefe als Signal, dass die Regierung die Lage aufmerksam verfolgt und bereit ist, bei Bedarf einzugreifen.