Bundeskanzler Friedrich Merz sieht sich nach den turbulente ersten Monaten seiner Amtszeit mit einer erheblichen Belastung seiner persönlichen Glaubwürdigkeit konfrontiert. In einem Sommerinterview des ARD-Fernsehens räumte der CDU-Politiker ein, dass die jüngsten Ereignisse und politischen Auseinandersetzungen Spuren hinterlassen haben. Die schlechten Umfragewerte seiner Regierung bezeichnete er dabei als das geringste Problem angesichts einer Welt voller Krisen, eines Reformstaus und eines Erstarkens der politischen Ränder. Vielmehr sieht er in der angespannten Lage einen Ansporn für die Arbeit seiner Koalition.
Merz zeigte sich in dem Gespräch zugleich zuversichtlich, was die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland angeht. Er verwies auf positive Zeichen und signalisierte Bereitschaft, die Rahmenbedingungen für Unternehmen zu verbessern. Allerdings lehnte er bestimmte weitergehende Schritte ab, ohne ins Detail zu gehen. Der Kanzler betonte, dass die Bundesregierung entschlossen sei, die drängenden Probleme des Landes anzugehen, auch wenn die Mehrheitsverhältnisse im Parlament schwierig seien.
Ein zentrales Thema des Interviews war der Vorfall mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle Anfang August. Merz kündigte an, dass die Bundesregierung ihre Reaktion darauf in den nächsten Tagen klar zum Ausdruck bringen werde. „Wir sind dabei, die Ermittlungen abzuschließen“, sagte der Kanzler. Man habe sich in der Bundesregierung weitgehend geeinigt, wie man reagieren wolle. Die Abstimmung darüber sei in den finalen Zügen.
Hintergrund sind Berichte von „Welt am Sonntag“ und dem Portal „Politico“, wonach die Bundesregierung Russland für den Drohnenvorfall verantwortlich macht und eine harte Reaktion vorbereitet. Geplant sei demnach eine Kombination aus direkten Maßnahmen Deutschlands und neuen EU-Sanktionen. Merz äußerte sich in der ARD erneut nicht direkt dazu, ob Russland hinter dem Vorfall gesehen wird. Er hatte zuvor mehrfach angekündigt, die Zuweisung der Verantwortung werde in den kommenden Tagen erfolgen. „Es wird nicht mehr lange dauern“, sagte er nun.
Auf die Frage, ob die Reaktion rein deutscher Natur sein werde oder mit EU und Nato abgestimmt, antwortete Merz: „Es wird eine Reaktion aus Deutschland sein, aber die Partner in der Europäischen Union und in der Nato werden davon nicht überrascht.“ Die Maßnahmen würden mit den Partnern „in diesen Tagen auch final abgestimmt“.
Am Abend des 4. August war am Flughafen Leipzig eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt worden. In ihrer Nähe befanden sich mehrere ukrainische Frachtflugzeuge. Der Flughafen gilt als Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen für die Ukraine im Krieg gegen Russland. Medienberichten zufolge wurden in der Folge Hinweise auf weitere Drohnen entdeckt. Der Vorfall hatte die Bundesregierung beschäftigt und zu intensiven Beratungen über mögliche Konsequenzen geführt.