Die Baugesellschaft des Brennerbasistunnels ist Ziel eines digitalen Angriffs geworden. Unbekannte Täter haben sich nach Berichten Zugriff auf Unternehmensdaten der österreichisch-italienischen Gesellschaft verschafft. Der Vorfall wird als Cyberattacke eingeordnet, und der Brenner Basistunnel hat den Hackerangriff laut Berichten gemeldet.
Der Brennerbasistunnel gilt als eines der großen Bahnprojekte Europas. Er soll künftig Tirol mit Südtirol und Norditalien verbinden und ist damit ein zentrales Vorhaben im alpenquerenden Schienenverkehr. Verantwortlich für das Projekt ist die gemeinsame Gesellschaft Österreichs und Italiens, die den Bau des Tunnels zwischen beiden Ländern betreut. Gerade wegen seiner Größe und seiner grenzüberschreitenden Struktur steht das Vorhaben im Fokus der Öffentlichkeit, und ein Angriff auf die Verwaltungs- und Baugesellschaft berührt damit nicht nur ein einzelnes Unternehmen.
Als mutmaßlicher Urheber wird die prorussische Gruppe „Everest“ genannt. Eine eindeutige Identifizierung der Täter ist bislang nicht bekannt. Ob es sich tatsächlich um diese Gruppe handelt, lässt sich aus den vorliegenden Informationen nicht abschließend bestätigen. Die Zuordnung beruht auf Berichten und sollte daher als Verdacht und nicht als gesicherte Erkenntnis verstanden werden.
Offen ist, in welchem Umfang Daten abgeflossen sind. Ebenso unklar ist, ob der Bauablauf oder später der Betrieb des Tunnels beeinträchtigt wurden. Auch ob Lösegeld oder Erpressung im Spiel sind, geht aus den bisherigen Angaben nicht hervor. Solange diese Punkte ungeklärt bleiben, lassen sich mögliche Folgen für Zeitplan und Kosten des Projekts nicht seriös beurteilen.
Der Angriff reiht sich in eine Serie ähnlicher Vorfälle ein. Zuletzt war auch ein Tunnelprojekt zwischen Deutschland und Dänemark von einer IT-Attacke betroffen, wie berichtet wurde. Damit wird deutlich, dass Bahnprojekte zunehmend ins Visier digitaler Angreifer geraten. Die Einordnung in den Kontext wachsender Angriffe auf kritische Infrastruktur zeigt, dass Verkehrs- und Bauvorhaben dieser Größenordnung besonders verwundbar sind, weil sie umfangreiche Datenbestände, zahlreiche Dienstleister und lange Projektlaufzeiten miteinander verbinden.
Der Fall des Brennerbasistunnels macht daher vor allem eines sichtbar: Die Sicherheit digitaler Systeme ist zu einem festen Bestandteil großer Infrastrukturprojekte geworden. Welche Daten tatsächlich betroffen sind und wie die Gesellschaft auf den Vorfall reagiert, dürfte davon abhängen, wie schnell sich der Umfang des Angriffs klären lässt.