Javier Bardem hat verraten, wie er die homoerotische Spannung zwischen James Bond und seinem «Skyfall»-Gegenspieler Raoul Silva mitgestaltet hat. In einem Gespräch erklärte der Schauspieler, er habe Regisseur Sam Mendes vorgeschlagen, den Bösewicht als jemanden zu konzipieren, der Bond begehrt. «Ich sagte zu Sam: Er muss jemand sein, der Sex mit Bond haben will», so Bardem. Diese Entscheidung habe der Figur eine völlig neue Ebene verliehen und sie von früheren Bond-Schurken abgehoben.
Raoul Silva, ein sadistischer und flirtender Cyber-Terrorist mit gebleichten blonden Haaren, gilt heute als einer der besten Bösewichte der gesamten James-Bond-Reihe. Besonders eine Szene ist vielen Zuschauern im Gedächtnis geblieben: Silva und Bond sitzen sich auf einer verlassenen Insel gegenüber, und Silva sagt den Satz «We are the last two rats. We can either eat each other, or eat everyone else». Die Anspielung auf gegenseitiges Verspeisen ist kaum verhüllt und machte die Szene zu einem der homoerotischsten Momente der Filmgeschichte der Reihe.
Bardem zufolge war es ihm wichtig, dass Silva nicht einfach nur ein weiterer Gegner ist, der Bond töten will. Stattdessen sollte eine ambivalente Anziehung im Spiel sein, die den Konflikt zwischen den beiden Männern auflädt. Diese Interpretation traf offenbar den Nerv des Regisseurs, denn Mendes griff die Idee auf und setzte sie in der Inszenierung um. Der Film «Skyfall» aus dem Jahr 2012 wurde damit nicht nur ein kommerzieller Erfolg, sondern auch ein kultureller Bezugspunkt für die Darstellung von Männlichkeit und Begehren im Blockbuster-Kino.
Die Enthüllung wirft ein neues Licht auf die Entstehung des Films und zeigt, wie stark Schauspieler an der Ausgestaltung ihrer Rollen mitwirken können. Bardem, der für seine Darstellung viel Lob erhielt, betonte, dass die sexuelle Spannung kein Selbstzweck gewesen sei, sondern der Figur Tiefe und Motivation verliehen habe. Silva wolle Bond nicht nur besiegen, sondern ihn auch besitzen – eine Dynamik, die den Film bis heute von anderen Vertretern des Genres unterscheide.
In der Bond-Reihe sind homoerotische Untertöne kein völlig neues Phänomen, doch selten wurden sie so explizit und bewusst eingesetzt wie in «Skyfall». Die Chemie zwischen Daniel Craig als Bond und Javier Bardem als Silva wurde von Kritikern und Publikum gleichermaßen hervorgehoben. Für viele Fans gehört die Figur deshalb zu den einprägsamsten Gegnern, die 007 je gegenüberstand. Bardems Aussagen dürften die Diskussion über die Bedeutung der Figur und über die Entwicklung des Franchises weiter anfachen.