Die im Koalitionsvertrag angekündigten Steuererleichterungen für die deutsche Games-Branche lassen weiter auf sich warten. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) sagte bei einem Besuch der Computerspiel-Messe Gamescom, die Bundesregierung führe hierzu Gespräche, die angesichts der schwierigen Haushaltslage jedoch kompliziert seien. Der Vizekanzler betonte, er sei grundsätzlich weiterhin dafür und wisse, dass das Vorhaben im Koalitionsvertrag stehe: „Wir wollen etwas hinbekommen, auch gemeinsam mit den Ländern.“ Auf einen konkreten Zeitplan wollte sich Klingbeil bei seinem Bühnenauftritt nicht festlegen.
CDU/CSU und SPD hatten 2025 im Koalitionsvertrag ihr Vorhaben bekundet, den Gamestandort Deutschland durch steuerliche Anreize zu fördern. Passiert ist seitdem nichts. Felix Falk, Geschäftsführer des Branchenverbandes Game, mahnte bei der Gamescom-Bühnenveranstaltung Fortschritte an. In anderen Staaten wie Frankreich, Irland, Australien, Kanada und Großbritannien gebe es eine solche steuerliche Förderung längst, nun sollte auch Deutschland „auf das nächste Level kommen“, sagte Falk. „Wir müssen uns modernen Konzepten öffnen, die in vielen Ländern auf der Welt schon seit Jahren erfolgreich umgesetzt werden.“
Bei einer solchen Förderung könnten Gamesfirmen Kosten steuerlich absetzen und dadurch weniger Steuern zahlen. Der Staat bekäme zunächst also weniger Geld in die Kassen. Auf längere Sicht ist die Hoffnung, dass sich die Steuereinnahmen erhöhen, wenn die Branche wächst und mehr Arbeitsplätze entstehen. Die Bundesländer müssten den Steuererleichterungen zustimmen. Die Förderung könnte über „Tax Credits“, also Steuergutschriften, erfolgen.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), der ebenfalls auf der Gamescom-Bühne auftrat, signalisierte wie schon im Vorjahr die Bereitschaft seines Bundeslandes zur Zustimmung. „Wir machen da mit, wenn ihr euren Koalitionsvertrag umsetzen wollt, wir werden das möglich machen – ich bin sicher, wir werden eine faire Lösung finden.“
Gaming ist ein Milliardengeschäft, das im Digitalzeitalter an Bedeutung gewinnt: Die visuellen Möglichkeiten werden besser, und immer mehr Menschen greifen zum Smartphone, zur Konsole oder setzen sich an den Desktop-PC. Deutschland spielt dabei allerdings nur eine Nebenrolle: Rund fünf Prozent des Geldes, das für Games ausgegeben wird, fließt in Games made in Germany.
Damit dieser Anteil steigt, hat die Bundesregierung ihr Förderbudget für die Games-Branche aufgestockt. Waren es 2025 rund 88 Millionen Euro, so sind es in diesem Jahr 125 Millionen Euro. Davon sind bislang nur etwa 40 Millionen bewilligt oder beantragt. Branchenvertreter Falk hält das für normal: Es brauche Zeit, bis die Branche das Fördergeld aufnehme.
Unkenrufen aus der Branche, der Fördertopf könnte angesichts der bislang geringen Beteiligung im kommenden Jahr verkleinert werden, widersprach Finanzminister Klingbeil: „Wir werden auch weiterhin dieses hohe Förderlevel in den nächsten Jahren halten.“ Auch die für Games zuständige Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) bekräftigte diese Haltung: „Wir kürzen nicht, auch im nächsten Jahr nicht.“ Das sei in Zeiten knapper Kassen alles andere als selbstverständlich, zur Stärkung der deutschen Games-Branche aber wichtig und richtig, sagte die Christsoziale.