Die katholischen Bischöfe der Vereinigten Staaten werden bei ihrer jährlichen Herbstversammlung im November voraussichtlich über künstliche Intelligenz, Migration und Anzeichen einer Erneuerung der Kirche beraten. Das geht aus einer Pressemitteilung der US-Bischofskonferenz (USCCB) vom 20. Oktober hervor. Die Vollversammlung findet vom 16. bis 19. November in Baltimore statt; die öffentlichen Sitzungen am 17. und 18. November werden im Internet live übertragen.
Die Eröffnungsansprachen halten der Präsident der Konferenz, Erzbischof Paul S. Coakley von Oklahoma City, sowie der Apostolische Nuntius in den USA, Erzbischof Gabriele G. Caccia. Die Tagesordnung ist laut Mitteilung noch nicht endgültig festgelegt. Als Thema vorgesehen ist ein Bericht über die kürzlich eingesetzte Arbeitsgruppe zu künstlicher Intelligenz, die von Bischof Oscar Cantú von San Jose in Kalifornien geleitet wird. Die Region um San Jose ist das Herz des Silicon Valley und ein Zentrum der KI-Entwicklung.
Die Arbeitsgruppe umfasst acht bischöfliche Mitglieder, darunter Kardinal Blase J. Cupich von Chicago, sowie drei Laien als Berater: den Theologen und Ethiker Charles Camosy von der Catholic University of America, die Philosophin Meghan Sullivan von der University of Notre Dame und Kim Daniels, Leiterin der Initiative für katholische Soziallehre und öffentliches Leben an der Georgetown University. Ihr Auftrag ist es, die Würde des Menschen und das Gemeinwohl in der Entwicklung künstlicher Intelligenz in den Mittelpunkt zu stellen. Dieses Anliegen hat Papst Leo XIV. in seiner Enzyklika «Magnifica Humanitas» ausführlich behandelt.
Ein Jahr nach ihrer viel beachteten «besonderen pastoralen Botschaft zur Einwanderung» werden die Bischöfe zudem vom Migrationsausschuss der Konferenz unterrichtet. In jener Botschaft hatten sich die Bischöfe gegen mehrere harte Maßnahmen der Trump-Administration gewandt und sich gegen «die wahllose Massenabschiebung von Menschen» ausgesprochen.
Der Ausschuss für kulturelle Vielfalt in der Kirche unter dem Vorsitz von Bischof Robert J. Brennan von Brooklyn wird einen Zwischenbericht über die Internationale Guadalupanische Novene vorlegen, ein mehrjähriges Gebet im Hinblick auf das 500-jährige Jubiläum der Erscheinung Marias als Unsere Liebe Frau von Guadalupe im Jahr 1531. Zudem ist eine Podiumspräsentation zu «jüngsten Zeichen neuen Lebens in der Kirche» geplant. Die USCCB verweist dabei auf einen deutlichen Anstieg der Zahl der Menschen, die in die Kirche eintreten, sowie auf Umfragen, wonach junge Menschen ein erneuertes Interesse an Religion zeigen.
Ob die Abkehr von Religion in den Vereinigten Staaten tatsächlich umgekehrt wird, ist unter Religionsforschern umstritten. Einige verweisen auf methodische Probleme, insbesondere bei Umfragen mit freiwilliger Teilnahme. Mark Gray vom Center for Applied Research in the Apostolate der Georgetown University erklärte im März gegenüber OSV News, statistische Belege für einen allgemeinen Zuwachs an Katholiken lägen bislang nicht vor. Das Pew Research Center stellte früher fest, dass der mehrjährige Rückgang des Christentums in den USA möglicherweise zum Stillstand gekommen ist, die Katholische Kirche jedoch unter allen Religionsgemeinschaften die größten Nettoverluste verzeichnet. Nach den Daten kommen auf jeden Menschen, der in die katholische Kirche aufgenommen wird, 8,4 Personen, die den Glauben ganz oder für eine andere Konfession verlassen. 2014 lag dieser Wert laut Pew bei 6,5.
Auf der vorläufigen Tagesordnung stehen außerdem Abstimmungen über mehrere Beschlüsse. Dazu gehören Richtlinien der USCCB zur Berichterstattung über diözesane Finanzen und zu sozial verantwortlichen Geldanlagen sowie der Haushalt der Konferenz für 2027. Ebenfalls behandelt werden eine neue Ausgabe des Lektionars für die Messe und des Buches der Evangelien, ein jährlicher Gebetstag für Rassengerechtigkeit sowie eine Aktualisierung des pastoralen Plans der Konferenz zum Lebensschutz.
Die Bischöfe werden zudem zu zwei kanonischen Voruntersuchungen für mögliche Seligsprechungsverfahren Stellung nehmen. Es handelt sich um Maria Middleton, eine Jugendliche aus dem Raum Philadelphia, die trotz eines nicht operablen und tödlichen Hirntumors heldenhaft an ihrem Glauben festhielt, sowie um Thomas Steven Vander Woude, einen Mann aus Virginia, der starb, als er seinen Sohn vor dem Ertrinken in einer Klärgrube retten wollte.
Auf der Versammlung werden außerdem wichtige Führungspositionen besetzt. Die Bischöfe wählen einen neuen Sekretär der Konferenz, nachdem Bischof Kevin C. Rhoades von Fort Wayne-South Bend in Indiana seine Interimszeit abschließt. Dieser war zuvor eingesetzt worden, nachdem der bisherige Sekretär, Erzbischof Coakley, zum USCCB-Präsidenten gewählt worden war. Zudem werden sechs Vorsitzende von Ausschüssen der USCCB sowie ein neuer Generalsekretär der Konferenz gewählt.