Bei einem schweren Autobombenanschlag auf eine Polizeizentrale in der Stadt Kohat im Nordwesten Pakistans sind nach Angaben der Polizei mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 50 weitere Personen wurden verletzt, wie ein Arzt der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Die Behörden befürchteten zunächst eine noch höhere Opferzahl, da viele Verletzte in kritischem Zustand in umliegende Krankenhäuser gebracht wurden.
Der Angriff ereignete sich nach Angaben eines lokalen Polizeivertreters auf dem Gelände der Polizeizentrale. Das mit Sprengstoff beladene Fahrzeug rammte ein Tor und explodierte. Durch die Wucht der Detonation wurde auch eine Moschee auf dem Polizeigelände beschädigt. Der Anschlag fiel zeitlich mit dem Freitagsgebet zusammen, zu dem sich zahlreiche Gläubige in der Moschee aufgehalten hatten. Die genaue Zahl der Todesopfer und Verletzten könnte sich daher noch erhöhen.
Zunächst reklamierte keine Gruppe den Anschlag in der Unruheprovinz Khyber Pakhtunkhwa für sich. In der Region sind sowohl ein regionaler Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) als auch die pakistanischen Taliban (TTP) aktiv. Die Sicherheitslage in dem afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet hatte sich in den vergangenen Jahren zunehmend verschlechtert. Die Stadt Kohat rief nach der Explosion den Notstand aus, um die Rettungs- und Versorgungsmaßnahmen zu koordinieren.
Erst Anfang August waren bei einem Selbstmordanschlag im Swat-Tal in derselben Provinz 14 Menschen getötet worden. Auch dieser Angriff richtete sich gegen eine Polizeiwache. Hunderte Menschen hatten damals gegen die zunehmende Gewalt in der Region demonstriert. In den Monaten zuvor hatte es immer wieder Anschläge auf Polizisten in Khyber Pakhtunkhwa gegeben. Die jüngste Tat reiht sich damit in eine Serie von Angriffen ein, die die Instabilität der Grenzregion unterstreichen.
Pakistan wirft der islamistischen Taliban-Regierung im benachbarten Afghanistan vor, Terrorgruppen im Grenzgebiet Unterschlupf zu gewähren. Die Führung in Kabul weist diese Vorwürfe zurück. Im Frühling 2026 war der Konflikt der Nachbarländer eskaliert. Seitdem kam es regelmäßig zu gegenseitigem Beschuss. Die Spannungen zwischen beiden Staaten tragen zusätzlich zur unsicheren Lage in der Region bei.
Die pakistanischen Behörden haben die Ermittlungen aufgenommen. Sicherheitskräfte riegelten das Gebiet weiträumig ab, um weitere Sprengsätze auszuschließen und Beweise zu sichern. Die Identität der Täter und die genaue Herkunft des Fahrzeugs sind bislang unklar. In den Krankenhäusern der Umgebung werden die Verletzten weiter behandelt, während die Behörden die Opferzahlen überprüfen.