Der frühere Google-Chef Eric Schmidt hat die führenden KI-Unternehmen OpenAI und Anthropic mit kolonialen Handelskompanien verglichen. Die Einschätzung stammt aus einem gemeinsamen Beitrag in der Zeitschrift Foreign Affairs, den er mit dem Historiker Niall Ferguson und der Forscherin Lisa Klaassen verfasst hat. Die Autoren sehen die Vereinigten Staaten und China als eigentliche KI-Imperien, während andere Staaten auf die Rolle abhängiger Länder reduziert werden.
Nach ihrer Argumentation wird das Rennen um künstliche Intelligenz nicht durch einzelne Durchbrüche entschieden, sondern durch die Frage, wer die enormen Investitionen finanzieren kann. Allein US-amerikanische Konzerne planen laut dem Beitrag im Jahr 2026 Ausgaben von mehr als 600 Milliarden US-Dollar. Die Entwicklung der Technologie hängt damit weniger von Forschungsvorsprüngen ab als von Kapital, Infrastruktur und dem Zugang zu Rechenleistung. Der Vergleich mit den einstigen Handelskompanien, die ganze Regionen über Monopole, Handelswege und Abhängigkeiten steuerten, zielt auf eine ähnliche Konstellation: wenige Akteure entscheiden über Ressourcen, während der Rest der Welt auf deren Bedingungen angewiesen bleibt.
Gleichzeitig benennen die Autoren Faktoren, die beide Supermächte ins Stocken bringen könnten. Dazu zählen wachsende Schuldenlasten, die Finanzierung der Infrastruktur auf Kredit, Proteste gegen den Bau von Rechenzentren sowie eine mögliche Chipkrise im Zusammenhang mit Taiwan. Die Abhängigkeit von Halbleitern, die in Taiwan gefertigt werden, macht die Lieferkette zu einem geopolitischen Risiko, das sich nicht allein durch Geld oder Forschung ausgleichen lässt.
Der Beitrag reiht sich in eine breitere Debatte über die geopolitische Dimension der künstlichen Intelligenz ein. Die Frage, wer Rechenzentren, Halbleiter und Modelle kontrolliert, wird zunehmend als Frage politischer Souveränität verstanden. Für Staaten außerhalb der beiden Machtzentren stellt sich damit die Frage, ob sie eigene Kapazitäten aufbauen oder dauerhaft auf Angebote aus Washington oder Peking angewiesen bleiben. Die Autoren betonen, dass nicht die technische Leistung allein über den Ausgang entscheidet, sondern die Fähigkeit, die dafür nötigen Mittel dauerhaft aufzubringen.