Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) belässt den Leitzins im Oktober unverändert. Nach der Erhöhung im September bleibt die Zinsspanne bei 3,75 bis 4,00 Prozent, wie der Zentralbankrat in Washington mitteilte. Im zuständigen Gremium sprach sich allerdings eine Minderheit für eine weitere Anhebung um einen Schritt aus.
Eine Mehrheit von zehn stimmberechtigten Mitgliedern stimmte für die Zinspause, zwei signalisierten Bereitschaft für eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte. Die Entscheidung fällt wenige Wochen vor den US-Zwischenwahlen. Bereits vor der Sitzung hatte eine große Mehrheit von Volkswirten mit einer Pause gerechnet.
Die Fed hatte Mitte September erstmals seit Juli 2023 den Leitzins angehoben. Fed-Chef Kevin Warsh argumentierte damals, der Schritt unterstütze eine schnellere Rückkehr zum Inflationsziel von zwei Prozent. Die Teuerungsrate lag zuletzt jedoch fast doppelt so hoch: Die Verbraucherpreise stiegen im September im Jahresvergleich um 3,7 Prozent und näherten sich damit dem höchsten Stand seit über drei Jahren an.
Angetrieben wurde die Preisentwicklung vor allem durch die Energiekosten. Wichtige Rohstoffe wie Erdöl hatten sich in den vergangenen Wochen infolge des Iran-Kriegs deutlich verteuert. Zudem heizen der Boom rund um Künstliche Intelligenz und solide Konsumausgaben die Inflation weiter an. Gleichzeitig verlangsamte sich das Beschäftigungswachstum deutlich.
Innerhalb der Fed erwartete eine überwältigende Mehrheit eine weitere Zinsanhebung in diesem Jahr. Von 18 befragten Mitgliedern rechneten 16 mit mindestens einem Schritt um 0,25 Prozentpunkte, vier davon sogar mit einer noch deutlicheren Straffung. Für 2027 zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Neue Projektionen werden mit der Dezember-Sitzung veröffentlicht, die als letzte Entscheidung in diesem Jahr gilt.
Der Analyst der DWS, Christian Scherrmann, sagte, weder Inflation noch Beschäftigung lieferten den Notenbankern ein klares Signal. Stephan Bales, US-Experte bei der Förderbank KfW, hielt einen weiteren Zinsschritt nach oben im Dezember angesichts des hartnäckigen Inflationsdrucks für kaum vermeidbar.
Eine Zinssenkung, wie sie US-Präsident Donald Trump seit langem verlangt, halten Experten für unrealistisch. Trump hatte zuletzt gefordert, der Leitzins solle bei einem Prozent oder darunter liegen. Die aktuellen Wirtschaftsindikatoren lassen eine solche Lockerung nach Einschätzung der Fachleute nicht zu.
Die Notenbank muss zwischen stabilen Preisen und möglichst hoher Beschäftigung abwägen. Höhere Zinsen verteuern Kredite für Verbraucher und Unternehmen und bremsen damit die Wirtschaft, während niedrigere Zinsen Wachstum und Arbeitsmarkt stützen, aber die Inflation anheizen können. Mit der Straffung im September hatte Warsh nach Einschätzung von Beobachtern sowohl Kritiker besänftigt, die tatsächliche Schritte gegen die Inflation vermisst hatten, als auch jene, die ihm eine zu große Nähe zu Trump vorwarfen. Auch die Europäische Zentralbank dürfte am Donnerstag in Frankfurt die Zinsen trotz gestiegener Inflation nicht anheben; Volkswirte erwarten, dass der Einlagenzins bei 2,5 Prozent verbleibt.