Die US-Staatsanwaltschaft in New York hat Anklage gegen fünf Männer erhoben, die einem Netzwerk russischer Geheimdienste angehören sollen. Ihnen wird vorgeworfen, seit mindestens 2024 weltweit Anschläge vorbereitet und Helfer für gezielte Tötungen sowie Sabotageakte angeworben zu haben. Im Mittelpunkt der am Dienstag veröffentlichten Anklage steht der Plan, einen prominenten russischen Regierungskritiker im Raum Washington zu ermorden.
Wie aus dem Dokument hervorgeht, sollen zwei mutmaßliche Mitglieder des Netzwerks einem angeworbenen Mann am 29. Juni dieses Jahres 40.000 Dollar – umgerechnet rund 35.000 Euro – für die Tötung des Kremlgegners angeboten haben. Zunächst habe der Mann zwei Adressen observieren sollen. Für Fotos und Videos seien ihm zwischen 1.000 und 1.500 Dollar versprochen worden. Nach Lieferung des Materials habe sich der Auftrag geändert: Der Mann sollte die Zielperson «eliminieren» oder «verschwinden lassen». Er lehnte es ab, die Tat selbst auszuführen. Daraufhin fragten ihn seine Auftraggeber, ob er jemanden kenne, der den Mord übernehmen könne. Der Angesprochene antwortete, er werde sehen, ob er «die richtigen Leute» finde.
Die Anklage richtet sich gegen die Russen Juri Chramejew und seinen Sohn Kirill sowie zwei Kubaner und einen Venezolaner. Der ältere Chramejew wird von den US-Ermittlern als ehemaliger Oberst russischer Geheimdienste bezeichnet. Sein Sohn soll für den russischen Inlandsgeheimdienst FSB arbeiten. Alle fünf müssen sich wegen des Vorwurfs der Verschwörung zur Finanzierung von Terrorismus verantworten. Drei von ihnen werden zusätzlich beschuldigt, einen Auftragsmord geplant zu haben. Festgenommen wurde bislang keiner der Männer. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.
Der Fall in Washington war offenbar nicht der erste dieser Art. Bereits 2025 soll das Netzwerk versucht haben, einen weiteren russischen Regierungskritiker in Litauen töten zu lassen. Ein US-Bürger erhielt nach Angaben der Ermittler zunächst 200 Dollar dafür, eine Adresse zu überprüfen und Fotos zu machen. Danach soll ihm Juri Chramejew rund 25.000 Dollar für die Ermordung des Mannes angeboten haben. Er begründete den Auftrag damit, dass die anvisierte Person «Schmutz» über Russland verbreite und die Geschichte verdrehe. Auch dieser Mann lehnte den Mordauftrag ab. Chramejew soll ihm daraufhin andere Jobs angeboten haben: etwa ein Lagerhaus anzuzünden oder einen Brandsatz gegen ein Umspannwerk zu werfen. Ziel solcher Aktionen sollten ausdrücklich Länder sein, die der Ukraine helfen.
Nach Erkenntnissen der US-Justiz beschränkte sich das Netzwerk nicht auf Mordpläne. Einer der Angeklagten, der Kubaner Oemis Romagoza Durruthy, soll Reisen und Logistik für Anschläge in Europa organisiert haben. Die Ermittler bringen ihn unter anderem mit Aktionen in Tschechien und Litauen in Verbindung. Durruthy war bereits zuvor Gegenstand einer Recherche der Deutschen Welle. Der Kubaner lebt seit Jahren in Russland und arbeitete dort unter anderem als Tanzlehrer. Die DW brachte ihn mit mutmaßlich russisch gesteuerten Brandanschlägen in mehreren europäischen Ländern in Verbindung.
Die US-Ermittler sehen in den Fällen Teile einer größeren Struktur. Das Netzwerk habe Helfer angeworben, Ziele ausgespäht und Anschläge vorbereitet – von Europa bis in die Vereinigten Staaten. Der Kreml erklärte zu den Vorwürfen, bislang keine überzeugenden Beweise gesehen zu haben. Solange es keine auf konkreten Fakten beruhenden Argumente gebe, sehe Moskau keinen Anlass für eine Stellungnahme.