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Jared Diamond fragt, wann einzelne Anführer den Lauf der Geschichte prägen

Der Geograf und Evolutionsbiologe Jared Diamond untersucht in seinem Buch »Anführer«, unter welchen Bedingungen einzelne Herrscher tatsächlich einen Unterschied machen. Im Interview verweist er auf Hitlers Autounfall von 1930 und den sogenannten »Hamlet«-Test.

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung unter der redaktionellen Verantwortung von Haydamax OÜ erstellt.

Kann ein einzelner Mensch den Verlauf der Geschichte verändern? Diese Frage beschäftigt den amerikanischen Geografen und Evolutionsbiologen Jared Diamond seit vielen Jahren. In seinem Buch »Anführer. Wann Einzelne den Lauf der Geschichte prägen« sucht er nach Antworten darauf, ob Herrscher wie Winston Churchill im Guten oder Adolf Hitler im Schlechten tatsächlich den Ausschlag geben können oder ob sie letztlich Sklaven der Umstände sind.

Diamond stellt die Frage bewusst zugespitzt. Der britische Historiker Thomas Carlyle erklärte im 19. Jahrhundert, Weltgeschichte sei die Biografie großer Männer. Der russische Schriftsteller Leo Tolstoi widersprach dieser Sicht und bezeichnete Führungspersonen als »Sklaven der Geschichte«. Diamond nimmt in dieser Streitfrage Stellung, verschiebt die Fragestellung allerdings. Statt zu fragen, ob Einzelne den Lauf der Geschichte prägen, untersucht er, unter welchen Voraussetzungen ein Herrscher mit der größten Wahrscheinlichkeit einen Unterschied macht.

Als Beispiel nennt Diamond einen Vorfall vom 13. März 1930. Ein großer Lastwagen rammte das Auto, in dem Adolf Hitler als Mitfahrer saß. Der Lkw kam zum Stehen, bevor er den Wagen überrollte, Hitler überlebte. Drei Jahre später wurde Hitler Reichskanzler, später löste er den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust aus. Diamond fragt deshalb, ob die vielen Toten ausgeblieben wären, wenn der Lastwagen das Auto zermalmt hätte. Die Suche nach dieser Antwort ist für ihn auch persönlich: Er wurde 1937 als Kind jüdischer Einwanderer aus Osteuropa in den USA geboren. Nach eigener Aussage hat er sein ganzes Leben im Schatten Hitlers verbracht. Einige seiner Verwandten konnten vor der deutschen Armee fliehen oder sich verstecken, andere wurden ermordet. Die Mutter seiner Frau überlebte Auschwitz.

Zu seinen Methoden erklärt Diamond, dass er mit Biografien und natürlichen Experimenten arbeitet. Als hilfreich nennt er zudem den sogenannten »Hamlet«-Test. Dabei wird gefragt, ob jemand anderes als William Shakespeare imstande gewesen wäre, dieses Werk zu schreiben. Diamond führt dazu aus, dass Shakespeare bei einem Tod im Kindesalter zwar kein »Hamlet« geschrieben hätte, seine Zeitgenossen wie John Webster oder Christopher Marlowe aber nicht an sein Niveau heranreichten. Der Test soll zeigen, ob andere Anführer unter den gegebenen Umständen dieselben Ergebnisse hätten erzielen können.

Diamond stimmt zu, dass Talent allein nicht genügt, sondern die Umstände es zur Geltung bringen müssen. Unter bestimmten Bedingungen macht dann eine bestimmte Person den Unterschied. Als Beispiel für eine solche Frage nennt er Jeff Bezos und Mark Zuckerberg: Hätte es den Onlinehandel oder die sozialen Medien auch ohne sie gegeben? Diamond vermutet, dass beides wahrscheinlich in anderer Form entstanden wäre. Seine Untersuchung zeigt damit eine Grundhaltung zwischen den beiden Extremen: Führungspersonen sind weder völlig frei noch völlig bedeutungslos, ihr Einfluss hängt stark davon ab, in welcher Lage sie handeln.

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