Eine vollständige Restaurierung eines klassischen Automobils dauert bei Justyna aus der Nähe von Krakau rund ein Jahr. Der Preis dafür beginnt bei umgerechnet etwa 220.000 Złoty. Die 46-Jährige hat sich auf die Wiederherstellung von Oldtimern spezialisiert, die teilweise Millionenwerte erreichen. In einem Interview schildert sie ihren ungewöhnlichen Werdegang und die wirtschaftlichen Realitäten ihres Handwerks.
Justyna ist ausgebildete Musikerin: Sie spielte Violine und Klavier und war beruflich in der Immobilienbranche tätig, bevor sie sich der Restaurierung historischer Fahrzeuge zuwandte. Ein einschlägiges Studium oder eine formale Ausbildung in diesem Bereich hat sie nicht. Dennoch hat sie sich in der männerdominierten Welt der klassischen Automobile etabliert. Ihr Weg dorthin verlief offenbar über praktische Erfahrung und Leidenschaft für die Materie.
Die Preise, die sie für ihre Arbeit verlangt, sind kein Zufall. Eine Restaurierung auf diesem Niveau erfordert Spezialwerkzeug, hochwertige Ersatzteile und monatelange Handarbeit. Justyna beschreibt ihr Metier als Hobby für Menschen mit entsprechendem finanziellen Hintergrund. Wer ein Fahrzeug im Wert von mehreren Millionen Złoty besitzt, investiert bereitwillig sechsstellige Beträge in dessen Erhalt. Für sie ist das kein Widerspruch, sondern eine logische Konsequenz des Sammlerwerts.
Der Markt für klassische Automobile in Polen wächst seit Jahren. Oldtimer gelten als Wertanlage, die in Zeiten niedriger Zinsen und unsicherer Finanzmärkte Stabilität verspricht. Gleichzeitig ist die Zahl der Betriebe, die eine fachgerechte Komplettrestaurierung anbieten können, überschaubar. Wer heute ein Projekt dieser Größenordnung starten will, muss oft lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Justynas Auftragsbücher sind nach eigener Darstellung gut gefüllt.
Ihr Beispiel zeigt auch, wie sich die Geschlechterrollen in einem traditionell männlich geprägten Umfeld verschieben. Zwar ist die Oldtimer-Szene nach wie vor von Männern dominiert, doch Frauen wie Justyna dringen in Nischen vor, die früher als verschlossen galten. Sie selbst betont, dass es weniger auf das Geschlecht als auf Fachkenntnis und Ausdauer ankomme. Ein Jahr Arbeit an einem einzigen Fahrzeug verlangt Geduld und ein hohes Maß an Detailgenauigkeit.
Für junge Menschen, die über einen Einstieg in das Restaurierungshandwerk nachdenken, ist der Weg allerdings steinig. Ohne formale Qualifikation und ohne Netzwerk in der Szene ist der Aufbau einer Werkstatt kaum finanzierbar. Justyna hat diesen Weg dennoch geschafft, wenn auch über Umwege. Ihre Geschichte ist damit auch ein Beispiel dafür, wie sich Berufsbiografien heute jenseits klassischer Ausbildungswege entwickeln können.