Zwischen den vielen großen Neuerscheinungen dieser Woche auf Steam hat sich ein kleines Indie-Spiel in den Vordergrund gespielt: „Worming From Home“. Die Physik-Simulation, entwickelt von nur zwei Personen, ist seit heute auf der Plattform erhältlich und stellt Spielerinnen und Spieler vor eine ungewöhnliche Aufgabe: Sie arbeiten von zu Hause aus – als Wurm.
Die Prämisse klingt absurd, entpuppt sich aber als überraschend charmant. Nach einem Anruf des Chefs erfährt die Wurm-Figur, dass sie nach sechs Jahren endlich für eine Beförderung zum Senior Financial Analyst in Frage kommt. Um den Vorgesetzten von den eigenen Fähigkeiten zu überzeugen, gilt es, die Arbeitsleistung zu steigern. Auf einem Aufgabenboard erscheinen dabei typische Büro-Tätigkeiten: E-Mails an Kollegen beantworten, Tabellen ausfüllen oder mathematische Probleme lösen. Manche Aufgaben erfordern zudem eine Erkundung der Umgebung – etwa wenn die eigene Körpergröße in eine Excel-Tabelle eingetragen werden muss. Andere Aufgaben haben strenge Deadlines und verlangen präzises Navigieren durch die Umgebung.
Dabei geht es nicht nur um Arbeit. Das Spiel legt Wert auf eine gesunde „Wurm-Life-Balance“. In der Freizeit kann die Spielfigur Sport treiben, lesen, einkaufen oder neue kosmetische Gegenstände wie Hüte freischalten. Wer möchte, kann sogar mit Insider-Informationen illegal an der Börse spekulieren oder mit Kollegen flirten – Letzteres scheint allerdings keine kluge Strategie zu sein, wenn man eine Führungsposition anstrebt. Das Spiel lässt den Spielerinnen und Spielern hier die Wahl, wie weit sie gehen wollen.
Besonders hervorzuheben ist die Steuerung. Anders als viele andere Physik-Simulationen fühlt sich „Worming From Home“ erstaunlich angenehm an. Die Bewegungen sind zwar albern und ungestüm, aber nicht frustrierend. Dazu trägt auch der durchgehende Humor bei: Ein Maskottchen, das an den legendären Office-Assistenten Clippy aus Microsoft Word erinnert, begleitet die Spieler als Kommentator und Ratgeber durch das Abenteuer.
Trotz des bewusst schlichten Erscheinungsbildes wirkt das Spiel erstaunlich poliert. Es fühlt sich nach den ersten Spielminuten nicht wie ein billiger Gimmick-Titel an, den man nach fünf Minuten wieder beiseitelegt, sondern wie ein durchdachtes Erlebnis. Nach 30 Minuten Spielzeit zeigt sich: Für umgerechnet rund sechs Euro bekommen Spieler ein kleines Juwel, das weit mehr bietet als sein verrücktes Konzept vermuten lässt.
Gerade in Zeiten, in denen große AAA-Produktionen und virale Multiplayer-Titel die Aufmerksamkeit dominieren, gehen kleine Perlen wie dieses oft unter. „Worming From Home“ ist ein Beispiel dafür, dass sich das Stöbern in den Tiefen von Steam lohnen kann. Das Spiel ist ab sofort auf Steam erhältlich.