Die Vereinigten Staaten, die Ukraine und Russland wollen in der kommenden Woche erneut in einem Dreierformat verhandeln. Die Gespräche sollen am Dienstag und Mittwoch in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, Abu Dhabi, stattfinden. Das kündigte der US-Sondergesandte Steve Witkoff auf der Plattform X an. Trotz fast fünf Jahren Krieg ist ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nicht in Sicht.
Witkoff erklärte, die Gespräche drehten sich um Sicherheitsvereinbarungen für die Zeit nach dem Krieg, um Deeskalation, humanitäre Hilfsmaßnahmen und die nächsten Schritte auf dem Weg zum Frieden. Die Verhandlungen finden auf Arbeitsebene statt. Zuletzt hatte es in diesem Format im Februar Gespräche in Genf gegeben, zuvor zweimal in Abu Dhabi. Bereits vor dem Treffen sollen US-Gesandte in dieser Woche in Brüssel mit Vertretern europäischer Staaten, der Nato und der EU zusammenkommen. Es geht dabei laut Witkoff um Sicherheitsgarantien für die Ukraine, um Europas Sicherheitsordnung nach dem Krieg und um den Wiederaufbau.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte unterdessen, Russland plane laut Geheimdiensterkenntnissen während der US-Kongresswahlen einen massiven Angriff, unter anderem auf die Energieinfrastruktur seines Landes. Die Aufmerksamkeit der Welt werde sich auf die US-Wahlen konzentrieren, schrieb Selenskyj auf X, und was in der Ukraine geschehe, einschließlich der Schwierigkeiten bei der Luftabwehr und mit Patriot-Raketen, werde nicht wahrgenommen. Die sogenannten Midterms finden am Dienstag statt, erste Ergebnisse werden in der Nacht auf Mittwoch (MEZ) erwartet. Selenskyj forderte, die internationale Gemeinschaft müsse Russland klarmachen, dass Terror nicht akzeptiert werde. Man müsse so viel Druck ausüben, dass Russland keine Alternative habe, als den Krieg zu beenden.
Bei einem russischen Luftangriff auf das Dorf Komyschuwacha in der Region Saporischschja wurden am Montag mindestens 26 Menschen getötet. Selenskyj sprach von einem »absolut schrecklichen Angriff«, der bei der Ausgabe humanitärer Hilfe in einer Schule geschehen sei. Mindestens fünf Personen wurden verletzt. Laut örtlichen Behörden galten 27 Menschen noch als vermisst, in den Trümmern werde weiter nach Opfern gesucht. Selenskyj warf Russland ein gezieltes Bombardement vor, da die verbliebenen Einwohner dort jede Woche humanitäre Hilfe erhielten. Komyschuwacha liegt etwa 25 Kilometer östlich von Saporischschja und gut ein Dutzend Kilometer von der Frontlinie entfernt. Die Region ist seit Monaten immer wieder Ziel schwerer russischer Luftangriffe.
Parallel dazu haben beide Seiten Cyberangriffe geführt. Am späten Sonntagabend wurde zunächst die ukrainische Warn-App »Air Alert« gehackt, woraufhin Bürger gefälschte Warnungen vor angeblichen Atomangriffen erhielten. Wenige Stunden später wurde am frühen Montagmorgen die App des russischen Zivilschutzes gehackt und verschickte ebenfalls falsche Warnmeldungen. Selenskyj bezeichnete das Hacken der russischen App als Gegenangriff: »Wir reagieren nur auf ihre Angriffe. Sie haben unser System angegriffen. Das war ein Cyberangriff.« Russland greife mit Cyberattacken immer wieder Ziele an, um der Zivilbevölkerung zu schaden.
Auch militärisch gibt es Bewegung. In Polen beginnt ab Montag ein Manöver der »Koalition der Willigen« zur Unterstützung der Ukraine, an dem rund 2.800 Soldaten aus elf Ländern teilnehmen. Laut dem britischen Verteidigungsministerium soll getestet werden, wie nach dem Kriegsende ein dauerhafter Frieden gesichert werden kann. Großbritannien entsendet rund 300 Militärangehörige und mehrere Kampfjets, Großbritannien und Frankreich leiten die Übung, die bis zum 22. November dauern soll. Die Bundeswehr beteiligt sich nach bisherigen Angaben mit rund zehn Stabsoffizieren, Tankflugzeugen und Logistik.
Kremlchef Wladimir Putin hatte sich im Oktober nach einem Gespräch mit Witkoff verhandlungsbereit gezeigt. Man habe vereinbart, die dreiseitigen Kontakte wieder aufzunehmen, sagte Putin. Andeutungen aus dem Kreml deuteten zuletzt darauf hin, dass sich die Delegationen Mitte November in Abu Dhabi zu einer Fortsetzung der Gespräche treffen könnten. Die Ukraine wehrt sich seit mehr als viereinhalb Jahren mit westlicher Unterstützung gegen den russischen Angriff.