Der Kreml hat Spekulationen über eine unmittelbare Wiederaufnahme von Friedensgesprächen mit der Ukraine eine Absage erteilt. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte laut russischen Nachrichtenagenturen, das Thema befinde sich „gerade in einer tiefen Pause“. Es gebe keine neuen Ideen. Gleichzeitig kenne Kiew die russischen Forderungen „ausgezeichnet“. Die Äußerungen folgten auf Aussagen des Chefs des ukrainischen Präsidentenbüros, Kyrylo Budanow, der eine Wiederaufnahme von Gesprächen mit Russland im September nicht ausgeschlossen hatte.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als viereinhalb Jahren gegen die russische Invasion. Die USA drängen Moskau und Kiew seit längerem zu einem Friedensschluss. Für August erwartete Reisen der US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner in die verfeindeten Staaten waren jedoch ausgeblieben. Vor diesem Hintergrund berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf amtierende und ehemalige Regierungsvertreter, dass CIA-Direktor John Ratcliffe bei einem Besuch in Moskau Russland zu ernsthaften Verhandlungen gedrängt habe. Gegenüber FSB-Chef Alexander Bortnikow habe Ratcliffe die militärische und wirtschaftliche Lage Russlands als düster beschrieben und davor gewarnt, dass sie sich weiter verschlechtern werde. Konkrete Konsequenzen für den Fall einer Fortsetzung des Krieges durch Präsident Wladimir Putin habe Ratcliffe demnach nicht angedroht. Die US-Regierung hoffe jedoch, dass der Kreml die Einschätzung eines Geheimdienstchefs ernster nehme als Botschaften über diplomatische Kanäle. CIA-Analysten bezweifeln dem Bericht zufolge seit Langem, dass Putins Berater ihm ein ehrliches Bild von den Verlusten und dem Verlauf des Krieges vermitteln. Vor dem Treffen habe Ratcliffe ukrainischen Geheimdienstvertretern versichert, lediglich Russlands Positionen ausloten zu wollen. Zugeständnisse im Namen der Ukraine habe er nicht angeboten.
Unterdessen gehen die Kampfhandlungen unvermindert weiter. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Ukraine habe ein russisches Tu-95MS-Raketenflugzeug auf dem Stützpunkt Engels angegriffen. Der Angriff sei von der Alpha-Einheit des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU durchgeführt worden. Zudem meldete der ukrainische Generalstab einen Angriff auf eine Ölraffinerie im russischen Jaroslawl, etwa 280 Kilometer nördlich von Moskau. Dort sei ein Feuer ausgebrochen. Gouverneur Michail Jewrajew teilte mit, ein Mensch sei getötet und 27 weitere verletzt worden. Russische Behörden sprachen zunächst von einer Industrieanlage, die von Trümmerteilen einer ukrainischen Drohne getroffen worden sei.
In der Stadt Pawlowski Possad in der Region Moskau schlug eine Drohne in einen Supermarkt des Einzelhändlers Magnit ein. Nach Angaben von Gouverneur Andrej Worobjow entstanden auch Schäden an einem nahegelegenen Gesundheitszentrum, das jedoch geöffnet bleibe. In der Ukraine selbst hatte Russland Kiew am Donnerstag über viele Stunden hinweg mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen angegriffen. Nach Angaben des „Kyiv Independent“ waren Explosionen und Flugabwehrfeuer vom frühen Morgen bis in den Abend zu hören. Mindestens vier Menschen wurden verletzt, Trümmer beschädigten unter anderem zwei Schulen, eine Sportanlage und ein Wohnhaus. Bei den Angriffen setzte Russland auch strahlgetriebene Drohnen auf Basis des iranischen Shahed-Modells ein, die deutlich schneller sind als herkömmliche Drohnen und die ukrainische Flugabwehr vor große Probleme stellen. Die ukrainische Luftwaffe gab an, landesweit sieben ballistische Raketen, einen Onyx-Flugkörper, drei Banderol-Marschflugkörper sowie 222 Drohnen abgefangen zu haben. Auch aus Odessa und Saporischschja wurden Explosionen gemeldet.
Das private Post- und Kurierunternehmen Nova Poshta meldete, bei neuen russischen Angriffen seien Sortierzentren in der Nähe von Kiew und in der nördlichen Stadt Sumy zerstört worden. In Sumy hätten vier gelenkte Luftbomben das Terminal getroffen und drei Lastwagen beschädigt. Alle Mitarbeiter seien unversehrt, der Betrieb laufe weiter. Die Einrichtungen von Nova Poshta werden seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 wiederholt attackiert. Der ukrainische Auslandsgeheimdienst SZRU teilte unterdessen mit, Beweise dafür erhalten zu haben, dass Russland gezielt Bürger Indonesiens für den Krieg gegen die Ukraine anwirbt.