Der Meteorologe und frühere ARD-Wettermoderator Jörg Kachelmann hat sich besorgt über den Zustand der Alpengletscher geäußert. Anlass war ein auf der Plattform X verbreitetes Foto, das das Standbild einer Webcam zeigt, die auf den 4.478 Meter hohen Gipfel des Matterhorns in den Schweizer Alpen gerichtet ist. Der Gipfel ist auf dem Bild augenscheinlich komplett ohne Schnee. Kachelmann kommentierte: «Es war ein katastrophaler Sommer und ist bisher ein katastrophaler Herbst für die Alpengletscher.»
Der Sommer hat zahlreichen Gletschern in den Alpen stark zugesetzt. Außergewöhnlich hohe Temperaturen ließen die Schneedecken schmelzen. Die Wetterbedingungen hatten teils massive Auswirkungen auf Wanderer, und der Wassermangel machte auch Hüttenwirten zu schaffen. In den Kommentaren unter dem Beitrag zeigten sich viele Nutzer fassungslos. «Wahnsinn! Es potenziert sich immer schneller. Wir werden leider bis jetzt noch unvorstellbare Phänomene erleben müssen», schrieb ein Nutzer. Ein anderer meinte: «Ich glaube, es hat niemand mehr eine Vorstellung davon, wie tief wir in Schwierigkeiten stecken.»
Wie ernst die Lage ist, machte erst kürzlich ein Forscherteam der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich deutlich. Mithilfe einer interaktiven Karte lässt sich der Zusammenhang zwischen Erderwärmung und dem Verschwinden der Gletscher nachvollziehen. Bei einer Erderwärmung um zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit, so die Prognose, wäre der Matterhorngletscher im Jahr 2041 komplett verschwunden.
Zuletzt hatten Bilder des «weinenden» Matterhorns Schlagzeilen gemacht: Ein Bergführer fotografierte gigantische Wassermassen, die den Berg herunterflossen. Am Mont Blanc führten die Hitzewellen im Sommer zu lebensgefährlichen Zuständen, sodass die Behörden mehrere Hütten zwischenzeitlich komplett schließen mussten. Die hohen Temperaturen lockerten Felsverbände, Gletscher verloren ihre schützende Schneedecke.
Auch an Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, hatte es kürzlich Felssturz-Alarm gegeben. Der Felssturz wirbelte eine weithin sichtbare Staubwolke auf, verletzt wurde niemand. Laura Schmidt von der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Die Vermutung liegt nahe, dass die warmen Temperaturen in diesem Sommer im Zusammenhang mit dem Felssturz stehen können.» Die Daten müssten aber erst noch ausgewertet werden.
Der Sommer war in Deutschland der zweitwärmste nach 2003 seit Beginn der Aufzeichnungen vor mehr als 100 Jahren. Die Durchschnittstemperatur lag laut Deutschem Wetterdienst bei 19,6 Grad. Die Entwicklung in den Alpen wird damit auch für die Region Südbaden und die angrenzende Schweiz immer relevanter, da Gletscher als Wasserspeicher und für den Tourismus eine wichtige Rolle spielen.