Volkswagen bereitet wegen fehlerhafter Batteriezellen einen Rückruf mehrerer Tausend Elektroautos vor. Betroffen sind nach Angaben des Konzerns einzelne Modelle der ID.-Familie, darunter der ID.3 und der ID.4. Grund für die Maßnahme sind Qualitätsmängel in den verbauten Zellen, die im schlimmsten Fall zu einem Brand führen könnten.
Wie Volkswagen mitteilte, besteht die Gefahr eines sogenannten thermischen Durchgehens. Dabei erhitzt sich eine Batteriezelle unkontrolliert und kann Feuer fangen. Um das Risiko zu minimieren, drosselt der Hersteller vorsorglich die Ladeleistung der betroffenen Fahrzeuge. Konkret sollen die Autos nicht mehr über einen Ladezustand von 80 Prozent hinaus geladen werden. Diese Maßnahme gilt zunächst, bis die fehlerhaften Zellen ausgetauscht sind.
Die betroffenen Halterinnen und Halter werden derzeit informiert. Volkswagen hat angekündigt, die fehlerhaften Batteriemodule in den Werkstätten kostenlos zu ersetzen. Der Rückruf soll in den kommenden Wochen anlaufen. Wie viele Fahrzeuge genau betroffen sind, wollte das Unternehmen zunächst nicht abschließend beziffern. Die Rede ist von einigen Tausend Einheiten.
Für die Besitzerinnen und Besitzer der Elektroautos bedeutet die Drosselung eine Einschränkung im Alltag. Wer sein Fahrzeug regelmäßig an einer Schnellladesäule auflädt, muss nun längere Standzeiten einplanen oder häufiger nachladen. Volkswagen betont jedoch, dass die Fahrzeuge weiterhin uneingeschränkt fahrbereit seien. Die Sicherheitsmaßnahme diene allein der Vorsorge.
Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht auf die Qualitätssicherung in der Elektromobilität. Batteriezellen sind die teuerste und sicherheitsrelevanteste Komponente eines E-Autos. Schon kleine Fertigungsfehler können Folgen haben. Volkswagen hatte in der Vergangenheit bereits mit Problemen bei Zulieferern zu kämpfen. Der Konzern setzt deshalb auf eine engmaschige Überwachung der Produktion und reagiert nun mit dem Rückruf, um größeren Schaden abzuwenden.
Für die Kundinnen und Kunden ist der Rückruf kostenlos. Sie erhalten eine schriftliche Aufforderung, sich mit ihrer Werkstatt in Verbindung zu setzen. Bis zum Austausch der Zellen sollten sie die Ladeleistung wie angekündigt begrenzen. Ob und wann weitere Modelle betroffen sein könnten, ließ Volkswagen offen. Der Konzern will die Untersuchung der fehlerhaften Charge fortsetzen.
Die Ankündigung des Rückrufs dürfte auch für den Aktienkurs von Volkswagen relevant sein. Zwar fallen die Kosten für den Austausch der Batteriemodule überschaubar aus, doch der Imageschaden könnte größer sein. In der Branche wird der Vorfall als weiterer Test für die Zuverlässigkeit der deutschen Elektroauto-Produktion gewertet. Wettbewerber aus China und den USA beobachten die Entwicklung genau.
Volkswagen hatte erst in den vergangenen Jahren seine Elektrooffensive ausgeweitet und die ID.-Familie als wichtigste Baureihe etabliert. Der Rückruf betrifft nun ausgerechnet diese Modelle. Kunden und Fachleute werden die Reaktion des Konzerns genau verfolgen. Klar ist: Die Sicherheit der Fahrzeuge hat Vorrang vor dem Tempo der Elektrifizierung.