Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume hat die Belegschaft angesichts der tiefen Krise der Autoindustrie auf einen harten Sparkurs eingeschworen und Zusammenhalt angemahnt. „Auf die nächsten Wochen kommt es an: Alle müssen mitziehen“, sagte Blume der „Bild am Sonntag“ mit Blick auf die anstehenden Betriebsversammlungen. Er verwies auf den „größten Transformationsplan in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns“, der aufgesetzt worden sei. Die nächsten Jahre seien entscheidend dafür, „wer im Rennen bleibt und wer an die Spitze fährt“.
Als Ursachen für den enormen Spardruck nannte Blume einen fundamentalen Marktwandel und globale Verwerfungen. „Die weltweite Autoindustrie ist in einer Mega-Krise. Und der Volkswagen-Konzern ist mittendrin. Geopolitik, Handelsbarrieren, Regulatorik, schwache Märkte und massiver Wettbewerb fordern alle“, sagte er. Der Konzernchef appellierte an den Kampfgeist der Beschäftigten und sprach von der Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland. Die Lage bei VW hatte Blume zuvor im Intranet des Konzerns als „mehr als kritisch“ bezeichnet. Es gebe dringenden Handlungsbedarf. Zwar sei die Rendite von 3,8 Prozent solide, reiche aber bei weitem nicht aus, um dauerhaft ausreichende Mittel für neue Technologien, Produkte und die Standorte zu erwirtschaften.
In der kommenden Woche beginnt eine Reihe von außerordentlichen Betriebsversammlungen bei Volkswagen. Die Arbeitnehmerseite hatte vor den Werksferien Details zu den Sparplänen verlangt. Bis Ende August sind neun Versammlungen unter anderem in Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Dresden, Chemnitz und Kassel-Baunatal geplant, bei denen der Vorstand der Belegschaft Rede und Antwort stehen soll. Den Auftakt macht am 25. August Wolfsburg, tags darauf folgen Emden und Zwickau, den Abschluss bildet am 31. August Hannover.
Blume hatte bereits im Frühjahr angekündigt, an einem neuen „Zielbild 2030“ für VW zu arbeiten und den Sparkurs deutlich zu verschärfen. Seitdem wird bei dem Konzern um vier Werke und bis zu 50.000 zusätzliche Stellen gebangt. Mit Blick auf die als bedroht bezeichneten Standorte in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm hatte Blume im Intranet-Interview gesagt, dass es für diese Werke heute keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre gebe. Eine Entscheidung über konkrete Werksschließungen sei jedoch nicht getroffen worden.