Die zweite Präsidentschaft von Donald Trump führt die USA nach Ansicht von Beobachtern auf einen gefährlichen Kurs. Ein aktueller Kommentar zieht dabei einen historischen Vergleich: Die Vereinigten Staaten drohten sich in das Athen des 5. Jahrhunderts vor Christus zu verwandeln, das einst als Demokratie-Vorbild galt und später seine Verbündeten zunehmend erpresste und ausbeutete. Diese Entwicklung sei eine Gefahr für die jahrzehntelange globale Vormachtstellung der USA und des gesamten Westens.
Der Vergleich bezieht sich auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als die USA ein Bündnissystem aufbauten, das an den Peloponnesischen Bund unter Führung Spartas erinnerte. Sparta habe als Hegemon eine fundamentale Regel der Macht verstanden: Verbündete dürfen nicht permanent gedemütigt werden. Im spartanischen Bund behielt jede Stadt ihre wirtschaftliche Autonomie, und jeder Partner hatte in der Bundesversammlung eine Stimme. Dieses System habe jahrzehntelang stabil gehalten.
Die heutige Politik unter dem Motto „America First“ ähnele dagegen eher dem Attischen Seebund unter Athen. Der demokratische Stadtstaat begann als Retter der griechischen Welt gegen die Perser, mutierte aber mit wachsender Macht zu einem ausbeuterischen Imperium. Aus Schutz wurde Schutzgeld: Athen forderte von seinen Verbündeten den sogenannten Phoros, finanzielle Tribute. Wer nicht zahlte, wurde zum Feind erklärt. Ähnlich wirke die Drohung Washingtons, Partnern den Schutz zu entziehen, wenn sie eine von Trump immer neu festlegbare Nato-Quote nicht erfüllen.
Besonders deutlich werde diese Haltung in der Rhetorik von Finanzminister Scott Bessent. Im Handelskrieg mit Kanada höhnte er, das Land sei wirtschaftlich 13-mal kleiner als die USA und besitze nur zwei U-Boote, könne also niemals einen richtigen Krieg führen. Solche Sätze seien diplomatische Geschmacklosigkeiten, die viel über das Selbstverständnis der Regierung verrieten. Bessent sprach vom „besten Deal der Welt“, den man Kanada angeboten habe – tatsächlich aber fordere die Regierung die Aufgabe der Souveränität des Landes in wichtigen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Fragen.
Auch Athen nutzte einst seine Vormachtstellung auf ähnliche Weise, etwa durch Handelsblockaden gegen unliebsame Nachbarn und das Diktieren eigener Marktregeln. Die massiven Zollkriege, die Trump nicht nur gegen Kanada und Mexiko, sondern auch gegen Verbündete in Europa und Asien führt, nutzten die schiere Größe des US-Marktes auf rücksichtslose Weise. Das westliche Bündnis wirke unter Trump nicht mehr wie eine Schicksalsgemeinschaft, sondern verkomme zu einem transaktionalen Selbstbedienungsladen.
Bei nicht abgestimmten militärischen Vorhaben, etwa im Konflikt mit dem Iran, erwarte das Weiße Haus Gefolgschaft. Mitglieder der Regierung sagten offen: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“ Wer nicht zur Gefolgschaft bereit sei, dem werde nach Belieben die Gegnerschaft erklärt. Diese Entwicklung sollte gerade Europa tiefe Sorgen bereiten, denn die USA seien dabei, sich in das Athen des 5. Jahrhunderts vor Christus zu verwandeln – mit allen negativen Konsequenzen für das Bündnisgefüge.