Wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat AfD-Chef Tino Chrupalla das Ziel ausgegeben, die absolute Mehrheit zu erreichen. „Wir wollen natürlich die absolute Mehrheit anvisieren“, sagte Chrupalla mit Blick auf die Abstimmung am kommenden Sonntag. Zugleich erklärte er, die bisherige Brandmauer-Politik der anderen Parteien sei gescheitert. Die AfD liegt in Umfragen in Sachsen-Anhalt deutlich vor der CDU von Ministerpräsident Sven Schulze.
Schulze, der für die CDU als Spitzenkandidat antritt, versucht im Wahlkampf, die Landesthemen in den Vordergrund zu stellen und die Bundespolitik auszublenden. Diese Strategie verfolgt er seit Beginn des Wahlkampfs, um gegen die starke AfD zu bestehen. Die Umfragewerte für die Bundesregierung und Kanzler Friedrich Merz sind schlecht, weshalb die Landes-CDU bewusst auf große öffentliche Auftritte mit dem Kanzler verzichtet. Stattdessen setzt Schulze auf direkte Gespräche mit Wählern und die Betonung regionaler Themen.
Kanzler Merz war am Montag in Quedlinburg, wo er die Stiftskirche besichtigte und sich ins Goldene Buch der Stadt eintrug. Ein öffentlicher Auftritt mit Bürgern war nicht geplant; es gab nur ein kurzes Statement für Journalisten. Auch für Donnerstag ist ein Besuch im Chemiepark Leuna angekündigt, ebenfalls ohne große Publikumsveranstaltung. Die CDU begründet dies mit dem Wunsch, in die Wahlkreise zu gehen und mit der Basis ins Gespräch zu kommen. Kritiker in der Partei halten diese Abschirmung für riskant, da sie den Eindruck erwecken könnte, der Kanzler meide die Menschen.
Bei einem früheren Auftritt in Kühlungsborn in Mecklenburg-Vorpommern wurde Merz von Protesten begleitet. Einige Teilnehmer riefen „Kriegstreiber“, „Pinocchio“ und „Rücktritt“. Die Nachrichtenagentur dpa berichtete von Pfiffen bei seiner Wahlkampfpremiere im Osten. In Sachsen-Anhalt will die CDU offenbar solche Szenen vermeiden. Die Landespartei hatte bereits im Juni darauf verzichtet, Merz zum Landesparteitag einzuladen, obwohl er in Mecklenburg-Vorpommern als Hauptredner auftrat.
Schulze selbst hat sich mehrfach von der Bundespolitik distanziert. Zuletzt sorgten gemeinsame Auftritte mit Kabarettist Didi Hallervorden für Aufsehen, die in der CDU-Parteizentrale in Berlin kritisch gesehen wurden. Auch ein Besuch des Kanzlers im Landeskabinett fand nicht statt. Die Landes-CDU betont, man wolle zeigen, was das Land ausmache und wie es sich entwickelt habe. Ob diese Strategie aufgeht, wird sich bei der Wahl am Sonntag zeigen.