Nick Wilder und seine Ehefrau Christine Mayn verkaufen ihre Ranch in Montana. Der ehemalige „Traumschiff“-Schauspieler begründet den Schritt in einem Interview unter anderem mit der politischen Spaltung der USA, die inzwischen bis in persönliche Freundschaften hineinreiche. Rund acht Hektar Land mit Blick auf die Rocky Mountains waren fast 30 Jahre lang der amerikanische Teil im Leben des 73-Jährigen.
Wie tief die Spaltung reicht, erlebte Wilder eigenen Angaben zufolge bei Umbauarbeiten an seinem Haus. Ein befreundeter Amerikaner, den er um Unterstützung bat, lehnte ab. Die Antwort des Mannes habe ihn bis heute beschäftigt: „Ich habe eine Vielzahl von patriotischen Freunden, die auch meine Hilfe benötigen – diese werde ich bevorzugen.“ Wilder sagt dazu: „Für mich war das ein sehr persönliches Beispiel dafür, wie tief die politische Spaltung inzwischen bis in langjährige Beziehungen hineinreichen kann.“
Mit Blick auf die Wahlen zum Repräsentantenhaus Anfang November schauen Wilder und Mayn mit Sorge auf die Entwicklung. Beide fürchten, dass demokratische Institutionen und Freiheiten unter Druck geraten, die für sie immer zum Selbstverständnis der USA gehörten. Sollte das Land „politisch noch weiter nach rechts“ rücken, wollen sie „nicht mehr dauerhaft in Amerika leben“.
Eine Rolle spielt dabei Wilders Familiengeschichte. In seinem Roman „Vaterliebe“, den er mit dem amerikanisch-jüdischen Co-Autor Richard Opper schrieb, setzt er sich mit seinem 1998 gestorbenen Vater auseinander, der früh der SA beigetreten war und später in der Waffen-SS diente. Umso genauer registriert Wilder, was er heute in seiner Wahlheimat sieht: Hakenkreuzflaggen, Hitlergruß und eine Zunahme antisemitischer Vorfälle. „Das erschüttert mich zutiefst und widerspricht allem, wofür ich stehe“, so Wilder.
Ende der 1990er Jahre hatte Wilder das Grundstück gekauft, das früher zu einer Pferderanch gehörte. Es kostete exakt 79.999 US-Dollar und wurde über die Jahrzehnte immer weiter ausgebaut. Heute möchte Wilder fast vier Millionen US-Dollar, wie im Angebot auf der Makler-Website zu sehen ist. Das Haus bewirbt er unter anderem mit einem KI-Video auf YouTube. Wirtschaftliche Gründe stehen hinter dem Verkauf nach Angaben des Paares nicht, man handle „nicht aus wirtschaftlicher Not“.
Dass die Ranch nicht in der Familie bleibt, hat einen einfachen Grund: Wilder und Mayn sind seit 25 Jahren verheiratet und haben keine Kinder. „Hätten wir Kinder, dann würden wir es nicht verkaufen“, räumt er ein. „Aber unser Leben ist anders verlaufen. Jetzt wollen wir frei sein für das, was noch kommt.“ Noch einmal würde Wilder den Sprung über den Atlantik nicht wagen: „Die Voraussetzungen, heute in Amerika als Europäer Fuß zu fassen, sind deutlich schwieriger.“ Bitter klingt er deswegen nicht. „Wir haben diesen Traum fast 30 Jahre lang gelebt und sind dankbar für viele Freundschaften, für Tausende Sonnenauf- und Sonnenuntergänge, für diese Weite und die unberührte Natur. Jetzt darf ein neues Kapitel beginnen.“