Die Vereinten Nationen haben sich in ihrem jüngsten Klimabericht offiziell von dem Ziel verabschiedet, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Rund 50 Experten kommen in dem am Donnerstag veröffentlichten Papier zu dem Schluss, dass die globale Durchschnittstemperatur bereits in den kommenden Jahren um mehr als 1,5 Grad über das vorindustrielle Niveau steigen wird. Die Folgen würden dabei immer gefährlicher, warnen die Autoren.
„Das ist ein Reality-Check. Wir müssen mit dieser wärmeren Welt leben“, sagte Richard Bretts, Klimawissenschaftler an der Universität Exeter und Mitautor des Berichts. Die UN hatten noch bis zuletzt an der Schwelle festgehalten, obwohl eine Einhaltung zunehmend unrealistisch erschien. Mit dem neuen Bericht vollzieht die Organisation nun eine deutliche Kurskorrektur in ihrer Kommunikation.
Gleichzeitig betonen die Wissenschaftler, dass nicht alles verloren sei. In einem Best-Case-Szenario werde die Erderwärmung demnach ihren Höhepunkt bei 1,8 Grad erreichen. Wenn die Emissionen entschlossen gen Null gesenkt und bereits ausgestoßene Treibhausgase durch Aufforstung und neue Technologien wieder aus der Atmosphäre entfernt würden, könnten die Temperaturen bis zum Ende des Jahrhunderts wieder unter die 1,5-Grad-Schwelle sinken. „Keine sichere Welt, aber sicherer, als darüber zu bleiben“, heißt es in dem Bericht.
Auch in dieser optimistischeren Entwicklung werde es abschmelzende Gletscher, steigende Meeresspiegel und Hitzewellen geben, so die Autoren. Was das konkret bedeutet, habe sich bereits im Hitzesommer 2026 gezeigt, als in Deutschland Temperaturen über 40 Grad gemessen wurden und tausende Menschen an den Folgen der Hitze starben. Die wirtschaftlichen Schäden sind ebenfalls erheblich: Ein einziger Hitzetag kostet die Volkswirtschaft nach Berechnungen mehr als 400 Millionen Euro. Der niedrige Wasserstand des Rheins hatte zuletzt der deutschen Wirtschaft erheblichen Schaden zugefügt.
Es gibt nach Einschätzung der Experten jedoch auch positive Entwicklungen. In China etwa steigen die Emissionen langsamer als erwartet, was unter anderem auf den Ausbau erneuerbarer Energien zurückzuführen ist. Dennoch fehle einem großen Teil der Klimapolitik, auch in Deutschland, weiterhin die Substanz. Die Hoffnung auf eine Begrenzung der Erwärmung müsse man sich erarbeiten, betonen die Wissenschaftler.
Der Bericht fällt in eine Zeit intensiver klimapolitischer Debatten in Deutschland und Europa. Die Bundesregierung hatte zuletzt ihre Klimaschutzziele bekräftigt, zugleich aber mit Widerständen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zu kämpfen. Die nun vorgelegte Analyse der Vereinten Nationen dürfte die Diskussion über wirksame Maßnahmen weiter anheizen, da sie die Dringlichkeit des Problems aus Sicht der Wissenschaft unmissverständlich unterstreicht.