Die Investmentbank Citi hat in einer Analyse zu GTA 6 und Rockstar Games auch über die Zukunft der Red-Dead-Reihe spekuliert. Sollte Rockstar mit seinen Angaben zum Budget von GTA 6 recht haben und das Spiel tatsächlich nicht 1,5 Milliarden US-Dollar gekostet haben, könnte ein neues Red Dead schneller erscheinen als bislang angenommen. Ein Release im Jahr 2027 oder 2028 sei «nicht unvernünftig», zitiert der Finanzdienst Yahoo Finance aus der Citi-Notiz. Für die Spielebranche wäre ein so früher Termin dennoch eine Überraschung.
Die Skepsis hat gute Gründe. Rockstar veröffentlicht große Titel in sehr langen Abständen. Red Dead Redemption erschien 2010, Grand Theft Auto 5 folgte 2013, Red Dead Redemption II kam 2018 auf den Markt, und GTA 6 ist für 2026 angekündigt. Zwischen den einzelnen Teilen derselben Reihe liegen also regelmäßig viele Jahre. Ein neues Red Dead nur ein bis zwei Jahre nach GTA 6 würde diese historische Taktung deutlich durchbrechen.
Hinzu kommt, wie Rockstar heute arbeitet. Früher entwickelte das Unternehmen mehrere Spiele parallel in verschiedenen Studios. Heute arbeitet das Netzwerk der Teams geschlossen an einem Projekt und wechselt erst danach zum nächsten. Rockstar hatte versucht, GTA 6 und Red Dead Redemption II gleichzeitig zu entwickeln. Nach eigener Darstellung hätte das Unternehmen GTA 6 dann Jahre früher veröffentlichen können. Studioleiter Rob Nelson hielt das Vorhaben jedoch für zu ambitioniert und verschob Personal von GTA 6 zu Red Dead Redemption II, um dessen Fertigstellung zu sichern.
Dazu kommt der Aufwand nach dem Launch. GTA 6 dürfte umfangreiche Ressourcen für die Zeit nach der Veröffentlichung binden, auch wenn Rockstar noch keine Pläne für einen Online-Modus angekündigt hat. Ein ausgedehntes Online-Erlebnis über Jahre gilt in der Branche als wahrscheinlich. Gleichzeitig plant ein Unternehmen wie Rockstar bereits die Zukunft, und ein neues Red Dead wäre angesichts des Erfolgs von Red Dead Redemption II naheliegend. Der Western-Titel hat sich 87 Millionen Mal verkauft und zählt damit zu den meistverkauften Spielen aller Zeiten.
Trotz aller Zweifel gibt es Signale, dass Rockstar und Mutterkonzern Take-Two an schnelleren Entwicklungsprozessen arbeiten. Take-Two-CEO Strauss Zelnick sagte gegenüber The Game Business, man solle «lange Entwicklungszyklen nicht mit einer laschen Herangehensweise verwechseln». Manche Spiele seien so komplex und herausfordernd, dass sie einfach lange dauerten. Gleichzeitig könnten «jüngste technologische Entwicklungen» dabei helfen, «einige Entwicklungszeitpläne zu verkürzen, ohne die Qualität zu beeinträchtigen». Zelnick spielte damit möglicherweise auf den Einsatz von KI bei Take-Two an, ohne dies konkret zu benennen.
Auch Rockstars Phil Hooker äußerte sich zu schnelleren Abläufen. Die Einstellungsoffensive des Unternehmens und Aktualisierungen des Technologie-Stacks sollen Rockstar künftig helfen, Spiele zügiger zu produzieren. Ob diese Aussagen tatsächlich auf reale Produktionsgeschwindigkeit zielen oder eher an Analysten und Investoren gerichtet sind, lässt sich nicht sicher sagen. Sicher ist: Ein neues Red Dead gilt als extrem wahrscheinliche Fortsetzung. Ob es wirklich nur ein bis zwei Jahre nach GTA 6 erscheint, werden erst konkrete Ankündigungen zeigen.