Die Berliner Linke will mit den Grünen und der SPD Sondierungsgespräche über eine Regierungsbildung in der Hauptstadt führen. Das beschlossen die Delegierten eines Parteitags am Abend mit breiter Mehrheit. Die Parteispitze soll nun offiziell zu den Gesprächen einladen, die im Verlauf der kommenden Woche beginnen könnten. Genaue Termine gibt es noch nicht.
Nach dem Beschluss will die Linke zunächst getrennt mit Vertretern der Grünen und der SPD sprechen. Anschließend sollen die Gespräche im Dreierformat fortgesetzt werden. Dabei soll geprüft werden, ob die politischen Voraussetzungen für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen vorhanden sind. Ob die drei Parteien später tatsächlich eine Koalition bilden, ist noch offen.
Die Grünen und die SPD dürften die Einladung annehmen, auch wenn in beiden Parteien Skepsis mit Blick auf ein mögliches Bündnis mit der Linken besteht. Der Landesvorstand der Grünen beschloss nach Angaben einer Parteisprecherin, in Sondierungen zu gehen. Der SPD-Landesparteichef Steffen Krach hatte sich am Donnerstag ebenfalls grundsätzlich bereit gezeigt für solche Gespräche. Es gebe aber keinen Automatismus, dass diese später auch in konkrete Koalitionsverhandlungen münden, betonte er.
Seit dem Wahlsonntag wird bundesweit heftig über den Umgang der Linken mit Antisemitismus und Kontakte ins Clan-Milieu diskutiert. Die Debatte löste auch Besorgnis bei den potenziellen Koalitionspartnern Grüne und SPD aus. Beide forderten die Linke zu Klarstellungen auf, dass sie gegen Antisemitismus und für den Schutz jüdischen Lebens stehe. Die Spitzenkandidatin Elif Eralp und die Bundesspitze hatten dies zuletzt immer wieder betont. Eralp bekräftigte diese Haltung auch auf dem Parteitag.
Teile der Berliner Linken stehen wegen ihrer Positionen zum Nahostkonflikt und zum Antisemitismus schon seit längerem in der Kritik. Großen Wirbel verursachte eine Wahlparty des Linke-Kreisverbands Neukölln, bei der am Sonntagabend neben einer bekannten Clan-Größe auch ein umstrittener propalästinensischer Aktivist anwesend war.
Bei der Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses am vergangenen Sonntag war die Linke mit 25,7 Prozent die mit Abstand stärkste Kraft geworden. Dahinter folgten die CDU mit 18,8 Prozent, die AfD mit 16,3 Prozent, die Grünen mit 14,3 Prozent und die SPD mit 12,1 Prozent. Bisher regiert in Berlin ein CDU/SPD-Senat. Nach der Wahl haben nur noch Dreierbündnisse eine rechnerische Mehrheit.