Die ersten Testeindrücke zu EA Sports FC 27 zeichnen ein zwiespältiges Bild. Während das überarbeitete Taktiksystem als klar beste Neuerung hervorgehoben wird, sorgt der neue Open-World-Hub The Grounds für Ernüchterung. Der Fußballsimulation gelingt damit ein Schritt nach vorn, dem zugleich ein Rückschritt folgt.
Das erweiterte Taktiksystem erlaubt es, das Verhalten der Mannschaft in verschiedenen Spielphasen deutlich präziser zu steuern. Es geht über einfache Formationen und Anweisungen hinaus, indem es Zweck, Stärken und Schwächen unterschiedlicher taktischer Ansätze erklärt. Besonders nützlich wird das, wenn man um die individuellen Fähigkeiten einzelner Spieler herum plant. So lässt sich etwa mit Noussair Mazraoui eine tiefere Defensivausrichtung wählen, bei der er geduldig seine Position hält und Angriffe unterbindet, ohne ständig die Ordnung zu verlassen. Gleichzeitig ermöglicht ein Kurzpassaufbau, seine technischen Fähigkeiten zu nutzen, ohne die defensive Struktur aufzugeben.
Diese Flexibilität zeigt sich auch bei Formationswechseln während des Spiels. Gegen Crystal Palace etwa fiel auf, dass die Gegner Räume auf den Flügeln ließen. Ein Wechsel in ein 4-2-2-2 brachte Bruno Fernandes zwischen den Linien ins Spiel, der Pässe auf einen Stürmer wie Benjamin Sesko weiterleiten konnte. So entstanden schnelle Kombinationen und Abschlüsse durchs Zentrum. Gegen Manchester City, die die Flügel besser kontrollierten, half ein Wechsel auf ein breites 4-2-3-1, bei dem Fernandes zentraler agiert und mit defensiven Mittelfeldspielern wie Kobbie Mainoo durch schnelle Doppelpässe kombiniert.
Die Trennung taktischer Anweisungen für Ballbesitz und Defensivphasen fügt eine weitere nützliche Ebene hinzu. Spielerrollen geben einzelnen Akteuren zudem spezifischere Aufgaben innerhalb einer Formation. Statt einen Spieler nur auf eine Position zu stellen und ein bestimmtes Verhalten zu erwarten, lässt sich seine Rolle nun um den gewünschten Beitrag herum aufbauen. Wird Sesko etwa im breiten 4-2-3-1 auf der rechten Seite eingesetzt, kann seine Rolle je nach Situation angepasst werden. Als nach innen ziehender Flügelspieler kann er Schusschancen kreieren oder als zusätzliche Passoption für Fernandes dienen, während eine breitere Rolle die Abwehr dehnt und Räume im Zentrum öffnet. Dieselbe Flexibilität ist defensiv nützlich, besonders wenn eine Führung verteidigt werden soll. Wird die eigene Seite wiederholt vom Gegner attackiert, kann Sesko mehr Defensivverantwortung übernehmen, zurückfallen und den rechten Verteidiger unterstützen.
Deutlich kritischer fällt das Urteil über The Grounds aus. Der neue Open-World-Hub wirkt wie der Versuch, ein Problem zu lösen, das es nicht gab. Ein offenes Umfeld ist nicht nötig, um das zu liefern, was sich die Spielerschaft von einem gemeinsamen Online-Modus wünscht. Um einen Spielmodus zu starten, muss man nicht durch eine visuell überladene, niedrig aufgelöste Stadt mit leblosen NPCs laufen, wenn einfache Menüs denselben Zweck effizienter erfüllen. Zwar funktioniert The Grounds als aktive Lobby für Matchmaking und erleichtert es, andere Spieler zu finden und zwischen Aktivitäten zu wechseln. Bildrateneinbrüche und unnatürliche Charakteranimationen verhindern jedoch, dass der Hub wirklich immersiv wirkt.
Hinzu kommen zahlreiche nicht überspringbare Zwischensequenzen und eine Synchronsprecherleistung, die an frühere NBA-2K-Titel erinnert. Besonders enttäuschend ist die Rückkehr von Alex Hunter aus dem Story-Modus The Journey, der erstmals in FIFA 17 und FIFA 18 auftrat und erneut von Adetomiwa Edun gesprochen wird. Die anfängliche Freude über sein Comeback verfliegt schnell, da seine Darbietung deutlich steifer und distanzierter wirkt als in der ursprünglichen Geschichte. Eduns Leistung vor fast einem Jahrzehnt war leidenschaftlich und natürlich, während Hunter in The Grounds klingt, als wäre er lieber woanders. Noch schmerzhafter wird es, als Kylian Mbappe kurz darauf auftaucht und seine Zeilen mit so steifer, mechanischer Kadenz vorträgt, dass der Eindruck entsteht, er habe sie in einem Durchgang direkt vom Skript abgelesen. Dass der eigene erstellte Charakter nicht spricht, erweist sich da fast als Erleichterung.
Der Online-Bereich von The Grounds soll an diesem Wochenende noch weiter erkundet werden. Der Hub selbst hat bislang jedoch keinen starken ersten Eindruck hinterlassen. Unterm Strich bleibt EA Sports FC 27 eine Mischung aus Fortschritt und Rückschritt: Das Taktiksystem setzt neue Maßstäbe, während The Grounds und die weiterhin bestehenden Probleme bei der KI-Spielerbewegung die Freude trüben.