Russland hat die lokalen Vermögenswerte mehrerer europäischer Unternehmen unter vorübergehende staatliche Verwaltung gestellt. Ein entsprechendes Dekret von Präsident Wladimir Putin betrifft nach Angaben aus Moskau unter anderem den deutschen Verpackungshersteller Menshen mit Sitz im Sauerland. Das Unternehmen produziert nach eigenen Angaben Verschlüsse und Spezialverpackungen und beschäftigt weltweit rund 1.400 Mitarbeiter.
Auf der russischen Liste stehen zudem der französische Bodenbelagshersteller Tarkett, der schwedische Verpackungsproduzent Sverige International Holdings sowie der niederländische Verpackungshersteller Sonoco. Die Maßnahme erfasst die im Erlass aufgeführten Vermögenswerte und Unternehmensanteile in Russland. Eine von der Regierung eingesetzte Verwaltungsgesellschaft übernimmt die Kontrolle und kann bestimmte Eigentümerrechte ausüben.
Der Kreml bezeichnet die Entscheidung als Reaktion auf die Rolle der EU-Staaten im Krieg gegen die Ukraine. Zugleich betont Moskau, die Maßnahme sei umkehrbar. Bereits im vergangenen Monat war die Regierung in Moskau ähnlich gegen den Lebensmittelkonzern Nestle sowie die Einzelhändler Auchan und Metro vorgegangen.
Für die betroffenen Unternehmen bedeutet die Zwangsverwaltung zunächst, dass die bisherigen Eigentümer die Kontrolle über die russischen Unternehmensteile verlieren. Ein automatischer dauerhafter Eigentümerwechsel ist damit nicht verbunden. Die Geschäftsaktivitäten der Firmen in Deutschland und anderen Ländern sind von dieser konkreten Maßnahme nicht unmittelbar betroffen. Wie lange die staatliche Verwaltung bestehen bleibt und ob die bisherigen Eigentümer die Kontrolle zurückerlangen, ist offen. Ihnen können dadurch Einnahmen und Einflussmöglichkeiten im Russlandgeschäft entgehen.
Die erneute Ausweitung der staatlichen Kontrolle über ausländische Vermögenswerte dürfte die ohnehin angespannten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union weiter belasten. Für die betroffenen Firmen aus dem Sauerland, Frankreich, Schweden und den Niederlanden steht nun die Frage im Raum, wie sie mit ihren verbleibenden Russland-Aktivitäten umgehen und ob sie rechtliche Schritte prüfen. Der Kreml hat bislang keine Frist genannt, innerhalb derer über eine Rückgabe der Kontrolle entschieden werden soll.