Xbox befindet sich nach den massiven Einschnitten der vergangenen Monate nach Angaben von CEO Asha Sharma wieder auf Wachstumskurs. In einer internen Versammlung sagte Sharma, das Unternehmen habe «nach einem Allzeittief» begonnen, «zum Wachstum zurückzukehren». Konkrete Zahlen oder Belege für diese Entwicklung nannte sie jedoch nicht.
Sharma sprach laut übereinstimmenden Berichten davon, dass Xbox heute «mehr als das Zwei- bis Dreifache» dessen erreiche, was vor dem Tiefpunkt der Fall gewesen sei. Was genau diese Angabe bedeutet, blieb offen. Auch zu den angeblich «starken» Starts der Spiele Gears of War: E-Day, Minecraft Dungeons 2 und World of Warcraft: Forever lieferte sie keine näheren Angaben. Die Aussagen sollten vor allem die verunsicherte Belegschaft nach den jüngsten Kündigungswellen und Studioschließungen beruhigen.
Der Sparkurs war zuvor von Microsoft-CEO Satya Nadella ausdrücklich gelobt worden. Allein im Juli wurden 1.600 Stellen bei Xbox gestrichen, im September folgten knapp 300 weitere. Weitere Jobverluste sind bereits angekündigt. Zudem trennte sich Microsoft von mehreren Studios oder stieß sie ab, darunter Double Fine und Ninja Theory. Einige Beobachter vermuteten hinter den Einschnitten den Versuch, Xbox für einen möglichen Käufer attraktiver zu machen. Sharma wies diese Spekulation jedoch zurück und beteuerte, Xbox stehe nicht zum Verkauf. Viele zweifeln allerdings an dieser Aussage, zumal Sharma selbst eingeräumt hatte, dass «der Plan so lange der Plan bleibt, bis er es nicht mehr ist».
Neben den Einsparungen treibt Sharma auch die Neuausrichtung des Geschäfts voran. Dazu gehört eine umfassende Umstrukturierung: Die Halo-Reihe ging an Activision über, während Bethesdas Zuständigkeitsbereich auf Obsidian ausgeweitet wurde. Diese Maßnahmen sollen Xbox schlanker und profitabler machen, stoßen in der Branche aber auf gemischte Reaktionen.
Ein zentrales Zukunftsthema ist die nächste Konsolengeneration. Sharma bestätigte, dass die als «Gen-10» bezeichnete Plattform intern unter dem Namen Project Helix läuft und als «Familie von Geräten» konzipiert ist. «Es gibt kein einzelnes Gerät, das für alle passt», sagte sie. Xbox wolle weiterhin «zuerst eine großartige Konsole» bieten, aber auch Optionen für Spieler schaffen, die unterwegs sind. Ein Teil der Geräte soll von Microsoft selbst hergestellt werden, für andere sucht das Unternehmen Partner. Details zu konkreten Produkten nannte Sharma nicht. Das Betriebssystem der neuen Plattform entwickle sich aber vielversprechend, sagte sie.
Die Ankündigung fällt in eine schwierige Phase für die gesamte Gaming-Branche. Die starke Nachfrage nach Speicherchips und Komponenten durch KI-Anwendungen treibt die Kosten. Hinzu kommen ein unsicheres globales Wirtschaftsumfeld mit gestiegenen Ölpreisen und jüngste Zinserhöhungen der US-Notenbank, die die Kreditkosten erhöhen und sich bis in den Gaming-Markt niederschlagen. Vor diesem Hintergrund dürften die kommenden Monate zeigen, ob Sharmas optimistische Einschätzung tatsächlich Substanz hat.