Bei russischen Drohnenangriffen auf die südostukrainische Stadt Krywyj Rih sind am Freitag mindestens fünf Menschen in einem belebten Einkaufszentrum getötet worden. Der Militärgouverneur des Gebiets Dnipropetrowsk, Olexander Hanscha, teilte auf Telegram mit, dass sich die Zahl der Verletzten inzwischen auf 91 erhöht habe. Unter den Verletzten befinden sich 21 Menschen mit schwersten Verletzungen, darunter ein Kind.
Präsident Wolodymyr Selenskyj, dessen Heimatstadt Krywyj Rih ist, verurteilte den Angriff scharf. In einem Beitrag auf Facebook sprach er von einem „absolut zynischen und hinterhältigen Angriff auf ein gewöhnliches Einkaufszentrum“. Nach seinen Angaben griffen die Drohnen in zwei Wellen an: „Eine halbe Stunde nach dem ersten Treffer und dem Ausbruch eines Brandes folgte ein erneuter Angriff auf die Rettungskräfte.“ Solche Angriffe seien schlichtweg Terrorakte, betonte er. Die Welt müsse entsprechend reagieren – mit echtem Druck auf den Aggressor. „Damit Frieden herrschen kann, muss Russland tatsächlich zur Verantwortung gezogen werden.“ Die Stadt liegt rund 350 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Kiew.
Parallel zu den Ereignissen in Krywyj Rih meldeten die Behörden weitere russische Angriffe. Im ostukrainischen Gebiet Charkiw töteten Drohnen nahe der Grenze mindestens zwei Menschen. Bei der Attacke mit sechs Drohnen auf das Dorf Lebjaschje seien zwei Frauen im Alter von 66 und 73 Jahren getötet und zwei weitere Menschen verletzt worden, teilte Militärgouverneur Oleh Synjehubow mit. Es seien fünf Häuser in Brand geraten, drei zerstört und viele weitere beschädigt worden. Die Region ist besonders oft das Ziel russischer Angriffe in dem seit viereinhalb Jahren andauernden Krieg.
Nach Angaben der ukrainischen Flugabwehr setzte Russland gegen das Land insgesamt 135 Drohnen ein, davon seien 107 abgeschossen worden. In der südukrainischen Region Odessa wurde bei einem nächtlichen Drohnenangriff ein Grenzübergang zu Moldau beschädigt. Der Passagier- und Fahrzeugverkehr am Kontrollpunkt Tabaky ist eingestellt und wird auf andere Übergänge umgeleitet, wie der ukrainische Grenzschutz mitteilte. Die moldauischen Behörden seien über die Situation informiert.
Die Ukraine hat bei einem massiven nächtlichen Angriff Russlands auf Kiew und die umliegende Region am Donnerstag rund 90 Prozent der abgefeuerten Marschflugkörper abgefangen. Ballistische Raketen stellen für die ukrainische Luftverteidigung jedoch weiterhin eine deutlich größere Herausforderung dar, sagte Präsident Selenskyj. Der kombinierte russische Angriff umfasste sowohl ballistische Raketen als auch Marschflugkörper und Angriffsdrohnen. „Leider sind ballistische Raketen derzeit die größte Herausforderung. Während bei diesem Angriff rund 90 Prozent der Marschflugkörper abgefangen wurden, sieht die Lage bei den ballistischen Raketen deutlich schlechter aus“, sagte Selenskyj in seiner Abendansprache. Er erneuerte seine Forderung nach zusätzlichen Patriot-Flugabwehrsystemen, auf die die Ukraine zur Abwehr russischer ballistischer Raketen angewiesen ist.
Bei den massiven russischen Angriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew sind nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko mindestens zwölf Menschen getötet worden. Die Stadt war in der Nacht zum Donnerstag Ziel eines kombinierten Angriffs aus Raketen und Drohnen. Die Luftverteidigung konnte nach offiziellen Angaben einen Großteil der Geschosse abfangen, dennoch gab es zahlreiche Opfer und Schäden an der Infrastruktur.
Unterdessen sind die Getreideexporte der Ukraine auf dem Schienenweg in den ersten 18 Augusttagen wegen der Blockade der Schwarzmeerhäfen eingebrochen. Sie sind im Vorjahresvergleich um 77 Prozent auf 342.000 Tonnen gesunken, wie die ukrainische Staatsbahn Ukrsalisnyzja mitteilte. Gegenüber dem Vormonat Juli entspricht dies einem Rückgang von 68 Prozent. Zwar nehmen die Transporte zur südlichen Grenzstadt Ismajil und an die Westgrenze zu, dies kann den starken Rückgang bei den Lieferungen an die Häfen von Odessa jedoch nicht ausgleichen.
Ein russisches Flugzeug steht zudem im Verdacht, über der Ostsee Finnlands Luftraum verletzt zu haben. Nach Angaben des finnischen Verteidigungsministeriums spielte sich der Vorfall am Donnerstagnachmittag über dem westlichen Teil des Finnischen Meerbusens ab. „Jeder Verdacht auf eine territoriale Verletzung wird ernst genommen“, sagte Verteidigungsminister Antti Häkkänen. Die Grenzschutzbehörde untersuche den Vorfall. Erst im Mai stand ein russischer Militärflieger im Verdacht, im Finnischen Meerbusen Finnlands Luftraum verletzt zu haben. Der Nato-Staat Finnland teilt eine mehr als 1.300 Kilometer lange Grenze mit Russland.