Angesichts der deutlich niedrigeren Füllstände in den deutschen Gasspeichern fordert Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter die Bundesregierung zum Handeln auf. Der SPD-Politiker erklärte, Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) müsse darlegen, wie sie die Versorgung von Haushalten und Wirtschaft sicherstellen wolle, statt lediglich Appelle an die Marktakteure zu richten. Deutschland dürfe nicht auf einen milden Winter, fallende Preise oder störungsfreie internationale Gaslieferungen hoffen, betonte Panter. Versorgungssicherheit sei keine Frage des guten Wetters und kein Spiel auf Zeit.
Die deutschen Gasspeicher sind derzeit nur zu rund 50 Prozent gefüllt, was deutlich unter dem Niveau der Vorjahre liegt. Als wesentlichen Grund für die niedrigen Füllstände werden die ungewöhnlich hohen Gaspreise in diesem Sommer genannt. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums hatte eingeräumt, dass die Speicher momentan „sehr gering“ gefüllt seien und die Gashändler zum Einspeichern aufgefordert. Eine Gasmangellage sei jedoch nicht zu erwarten.
Panter forderte darüber hinaus mehr Tempo bei der Einrichtung einer nationalen Gasreserve. Diese solle in Krisenzeiten genutzt werden, wenn der reguläre Gasmarkt kurzfristig überfordert sei. Der Minister mahnte, die Bundesregierung dürfe sich nicht nur auf Appelle beschränken, sondern müsse konkrete Vorsorge treffen, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten.
Auch in den Speichern des Leipziger Energiekonzerns VNG ist aktuell deutlich weniger Gas eingelagert als im Vorjahr. Wie Unternehmenssprecherin Melanie Hensel mitteilte, ist der Storage Hub, bestehend aus den Speichern Bernburg, Bad Lauchstädt und Katharina, zu 54,5 Prozent gefüllt. Am 21. August des Vorjahres habe der Füllstand noch bei 83,8 Prozent gelegen. Der Speicher Etzel sei zu 55,6 Prozent gefüllt, während es im Vorjahr 92,5 Prozent waren.
Hensel erläuterte, dass grundsätzlich ausreichend Gas verfügbar sei, die Preise jedoch zu hoch seien. Normalerweise kauften Händler Gas im Sommer günstig ein, speicherten es und nutzten es im Winter zur Abfederung von Preis- oder Lastspitzen. Aktuell seien die Sommerpreise jedoch ungewöhnlich hoch im Vergleich zu den Preisen, die der Markt im Winter erwarte. Dadurch fehle vielen Marktteilnehmern der wirtschaftliche Anreiz, Gas jetzt einzuspeichern.
Der Konflikt um die Straße von Hormus habe die Preise zusätzlich hochgetrieben, so die VNG-Sprecherin. Es fehlten Lieferungen aus Katar, gleichzeitig würden viele LNG-Lieferungen nach Asien umgeleitet. VNG geht laut Hensel dennoch davon aus, dass die Versorgung der Kunden, zum Beispiel von Stadtwerken, gesichert ist. Speicherfüllstände allein entschieden nicht über die Versorgungssicherheit, betonte sie. Es sei ein Mix aus Speicherung, Importen, Beschaffung aus unterschiedlichen Quellen und Witterung entscheidend.
Der Dresdner Versorger Sachsenenergie erwartet unterdessen keine Preisrisiken für seine Fernwärme- und Gas-Haushaltskunden im kommenden Winter. Das Unternehmen kaufe die benötigten Mengen an Erdgas bis zu drei Jahre im Voraus, teilte eine Sprecherin mit. Der Gasbedarf für den Winter 2026/27 sei nahezu vollständig gesichert. „Für unsere treuen Haushaltskunden besteht aktuell kein Risiko. Die Gaspreise bleiben diesen Winter stabil“, erklärte Vorstandschef Frank Brinkmann.
Die Diskussion um die Gasversorgung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Energiepreise in Deutschland und Europa weiterhin eine zentrale Rolle in der wirtschaftspolitischen Debatte spielen. Die hohen Sommerpreise und die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben die Lage auf dem Gasmarkt zusätzlich verkompliziert. Experten beobachten die Entwicklung mit Sorge, da eine unzureichende Befüllung der Speicher im Herbst und Winter zu Engpässen führen könnte, falls die Temperaturen deutlich unter den Durchschnitt fallen sollten.